Agenda Stadt grün-blau
Lebensqualität und Vorsorge durch grüne und wassersensible Städte
Vorwort
Die Agenda Stadt grün-blau unterstützt eine nachhaltige Entwicklung von Grün und Wasser – der sogenannten grün-blauen Infrastruktur (GBI) – in den Kommunen in Deutschland. Sie ist ein Handlungsprogramm des Netzwerks Weißbuch Stadtgrün.
Seit der Veröffentlichung des Weißbuchs Stadtgrün im Jahr 2017 haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verändert: Die Coronapandemie, die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und weitere gesellschaftliche Entwicklungen stellen Städte und Gemeinden vor neue Herausforderungen. Die Agenda Stadt grün-blau bündelt daher wenige besonders umsetzungsrelevante Maßnahmen in ausgewählten Fokusthemen. Sie sollen der Arbeit des Netzwerks neue Impulse geben und Kommunen bei der Umsetzung vor Ort wirkungsvoll unterstützen.
Das Weißbuch Stadtgrün bleibt dabei Grundlage und gültiger Rahmen. Die Agenda baut darauf auf und ergänzt es um aktuelle Themen und Handlungsbedarfe. Die vorgeschlagenen Ziele und Maßnahmen basieren sowohl auf Erkenntnissen aus der Weißbuchumsetzung als auch auf einem Dialogprozess mit unterschiedlichen Akteursgruppen. Sie erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern setzen gezielt Schwerpunkte für die kommenden Jahre.
Ein Handlungsprogramm des Netzwerks Weißbuch Stadtgrün
Die Agenda Stadt grün-blau ist in einem Netzwerk aus vielfältigen Partnern unter der Federführung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) erarbeitet worden.[1] Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Bundesressorts, aus Fachverbänden, Stiftungen und Vereinen sowie der Forschung und der kommunalen Praxis haben sich daran beteiligt. Seit Dezember 2024 haben die Netzwerkpartner in Workshops, Dialogforen und weiteren Gesprächsformaten ihre jeweilige Perspektive zur Agenda und zu den jeweiligen Fokusthemen und Maßnahmen eingebracht. Dabei haben das BMWSB und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) auf dem bestehenden Netzwerk zur Umsetzung des Weißbuchs Stadtgrün aufgebaut. Dieses wurde durch neue Partner ergänzt, insbesondere zu den Fokusthemen „grün-blau gesund“ und „grün-blau sozial“. Die Agenda formuliert deshalb in ihren Zielen ein „WIR“, um dem Gemeinsamen des Projekts Ausdruck und den Themen Kraft und Wirkung zu verleihen.
Hintergrund
Als grün-blaue Infrastruktur wird die Gesamtheit von Vegetation und Wasser in Grün- und Freiflächen im Siedlungsraum verstanden, die als grünes und blaues Freiraumsystem Lebensraum für Menschen und Tiere bietet und zahlreiche Leistungen für die Stadtgesellschaft erbringt. Gemeint sind damit viele unterschiedliche Elemente wie z. B. Parks, Gärten, Grünzüge, Straßenbäume, Friedhöfe, Kleingärten, Gebäudegrün, Oberflächengewässer und Grundwasser. Grün-blaue Infrastruktur ist von hoher Bedeutung für die physische und psychische Gesundheit der Stadtbevölkerung. Sie bietet Raum für Erholung, Bewegung und sozialen Austausch, stärkt die Biodiversität, verbessert das Mikroklima und unterstützt die Klimaanpassung – etwa durch Verdunstungskühlung und Wasserrückhalt.
Stadtgrün steht vor wachsenden Herausforderungen
Starkregen, Hochwasser, Hitze und Dürre belasten die städtische Vegetation zunehmend. Nur ausreichend vorhandenes und nachhaltig gepflegtes Stadtgrün mit hoher Nutzungs- und Gestaltungsqualität kann seine vielfältigen ökologischen und sozialen Funktionen erfüllen. Anpassung an die Folgen des Klimawandels hat auch wirtschaftlich eine hohe Bedeutung. So übersteigen die Kosten der Schadensregulierung nach Extremwetterereignissen bereits heute oftmals die Kosten der Vorsorge. Um die Lebensqualität in den Städten zu sichern und weiterzuentwickeln, muss die bauliche Entwicklung – im Neubau wie im Bestand – auf Gebäude- und Quartiersebene konsequent mit einem Netz grün-blauer Freiräume und den erforderlichen grauen Infrastrukturen verknüpft werden.
Dabei geht es nicht um die pauschale Maximierung von Grünflächen, sondern um deren gezielte, qualitätsvolle Integration[2] im Sinne einer sogenannten dreifachen Innenentwicklung (Gebäude, Grün- und Freiräume, Mobilität) insbesondere auch in die bestehende Stadtstruktur. Angesichts von Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Urbanisierung und sozialen Disparitäten muss Stadtgrün als unverzichtbare Infrastruktur gestärkt werden.
Grün-blaue Stadtentwicklung ist wesentlicher Bestandteil integrierter Stadtentwicklung
Zukunftsorientierte Stadtentwicklung erfordert ein integriertes Verständnis: Grünflächen, Bäume, Bewegungsangebote und attraktive Aufenthaltsorte im Freien sind wesentliche Bestandteile lebenswerter Quartiere. Stadtraum ist stets multifunktional – Bauen, Mobilität, Freiraumplanung, Klimaanpassung und soziale sowie wasserwirtschaftliche Infrastruktur sind integriert zu gestalten. Dafür lohnt es sich, Schnittstellen zwischen den Disziplinen bewusst zu definieren und als Chancen für Synergien zu nutzen, aber auch potenzielle Zielkonflikte und Hemmnisse offen zu adressieren und ortsangepasste Lösungen fachübergreifend zu erarbeiten. Planungsprozesse sollten integriert gestaltet und als koordinierende und steuernde Aufgabe genutzt werden. Dafür braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadt- und Freiraumplanung, Landschaftsplanung, Wasserwirtschaft, Verkehrsplanung, Sozialplanung, dem Gesundheitssektor und weiteren Fachbereichen. Auch zwischen Bundes- und Landesministerien, der kommunalen Ebene sowie Verbänden, Forschungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft ist eine abgestimmte Zusammenarbeit auf Augenhöhe entscheidend.
Die Agenda-Maßnahmen unterstützen die Kommunen
Die anwendungsbezogene Kompetenz für die Entwicklung städtischer Freiräume liegt bei den Kommunen. Sie planen, pflegen und bewirtschaften das Stadtgrün und -blau unter oft schwierigen Rahmenbedingungen und bei vielfältigen Anforderungen seitens der Bevölkerung und weiterer Akteure wie beispielsweise der Wirtschaft. Die Maßnahmen der Agenda setzen daher an den Rahmenbedingungen an, die Kommunen für eine wirksame Grün- und Freiraumentwicklung benötigen.
Das Weißbuch Stadtgrün ist Ausgangspunkt
Die Maßnahmen des Weißbuchs Stadtgrün (2017) sind größtenteils umgesetzt oder in Bearbeitung. Gleichzeitig sind neue Themenfelder sichtbar geworden, die stärker adressiert werden sollten.
Das Weißbuch verfolgte einen integrierenden Ansatz und betonte die Bedeutung interdisziplinärer Schnittstellen. Das im Weißbuch Stadtgrün beschriebene Zielbild eines multifunktionalen, biodiversen und gut gestalteten Stadtgrüns bleibt bestehen und ist weiterhin Grundlage. Die Agenda Stadt grün-blau knüpft daran an, setzt jedoch bewusst Schwerpunkte. Sie soll Mut machen, Grün und Wasser in der Stadtentwicklung noch konsequenter mitzudenken. Grün-blaue Lösungen steigern die Funktionsfähigkeit der Kommunen als Lebensräume und erhöhen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen. Damit leistet die Agenda einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der kommunalen Daseinsvorsorge sowie zur Umsetzung der Nationalen Wasserstrategie und der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel. Auch zur Nationalen Strategie für Biologische Vielfalt 2030 bestehen Synergien.
[1] Durchgeführt als Forschungsprojekt des BBSR im Auftrag des BMWSB. Auftragnehmende sind Urbanizers, bgmr landschaftsarchitekten sowie plan zwei.
[2] siehe auch: Gemeinsam Räume für gutes Zusammenleben gestalten: Baukulturelle Leitlinien des Bundes (BMWSB, 2024)
Fokusthemen und Maßnahmen im Überblick
1 Grün-blau vital – Städte wassersensibel entwickeln
1.1 Regenwasser rechtlich als Ressource behandeln
1.2 Urbane Wasserkreisläufe stärken
1.3 Schwammlandschaften entwickeln
2 Grün-blau gesund – Gesundheit schützen und fördern
2.1 Mental gesund durch Erholung und Naturerleben
2.2 Hotspots zuerst naturbasiert entlasten
2.3 Sportability: Grüne Freiräume für offene Bewegung
3 Grün-blau sozial – Freiräume gemeinschaftlich und gerecht nutzen
3.1 Grünräume für soziale Interaktion gestalten
3.2 Teilhabe durch soziale Angebote stärken
3.3 Unterschiedliche Nutzungen moderieren
4 Grün-blau statt grau – Raumpotenziale neu gewinnen und vernetzen
4.1 Straßenarbeiten für grün-blauen Stadtumbau nutzen
4.2 Bundesweiten Entsiegelungswettbewerb unterstützen
4.3 Schulhöfe ökologisch und klimaangepasst umgestalten und öffnen
4.4 Wohnumfeld mit übertragbaren Lösungen wirksam begrünen
4.5 Rad- und Fußwegesysteme und Grünvernetzung gemeinsam entwickeln
5 Grün-blau kompetent
Dieses Fokusthema wird bis Herbst 2026 erarbeitet. Es setzt sich im Querschnitt mit Instrumenten, integrierten und partizipativen Planungsprozessen, Daten und Finanzierung auseinander. Dieser Prozess beginnt im Anschluss an den 4. Bundeskongress "Grün in der Stadt" (6. und 7. Mai 2026).
Fokusthema 1:
Grün-blau vital – Städte wassersensibel entwickeln
In den Städten ist der natürliche Wasserkreislauf durch Überbauung und Versiegelung stark verändert. Viele Oberflächen heizen sich stärker auf als ihre natürliche Umgebung. Es bilden sich städtische Hitzeinseln. Niederschlagswasser fließt heute immer noch zum Großteil oberflächlich in die Kanalisation und Gewässer ab. Bei Starkregen sind Überflutungen, Mischwasserüberläufe und Belastungen für Mensch und Umwelt die Folge. Zudem leidet das Stadtgrün zunehmend unter Hitze- und Dürrestress.
Regen-, Klar- und Betriebswasser im urbanen Raum zurückzuhalten, zu speichern und gezielt für das Stadtgrün zu nutzen, wird künftig immer wichtiger. Grünflächen übernehmen zentrale Funktionen für Kühlung, Starkregenvorsorge und einen ausgeglichenen Bodenwasserhaushalt. Damit sie diese Funktionen dauerhaft erfüllen, braucht es eine konsequent wassersensible Stadtentwicklung.
Viele öffentliche und private Freiflächen in Städten sind heute stark versiegelt. Eine veränderte Bewertung der Funktionen, die diese Räume erfüllen sollen, eröffnet die Möglichkeit, sie systematisch von grau zu grün-blau zu transformieren. Versiegelte Flächen stellen in vielen Städten eine wichtige Flächenreserve dar, um durch Entsiegelung und Begrünung ein Mehr an vitalem Stadtgrün, Klimaanpassung und Lebensqualität zu erreichen. Dafür sind die Wechselwirkungen zwischen grün-blauen Infrastrukturen und den wasserwirtschaftlichen (grauen) Infrastrukturen in der integrierten Stadtentwicklung frühzeitig zu berücksichtigen.
Ziel
Wir entwickeln Städte, in denen Wasser als Ressource verstanden und im Kreislauf geführt wird. Regen-, Klar- und Betriebswasser werden nach dem Schwammstadtprinzip gespeichert, genutzt und zur Verdunstung gebracht. Ableitung über Oberflächengewässer und Versickerung über den Untergrund in das Grundwasser erfolgen nachgeordnet.
So stärken wir die Hitze- und Dürrevorsorge, mindern Überflutungsrisiken und sichern dauerhaft vitales und biodiverses Stadtgrün mit hoher Nutzungs- und Gestaltungsqualität. Das Ziel einer vermehrt abflussarmen[1] Stadtstruktur, die sich an der natürlichen Wasserbilanz orientiert, wird so erreicht.
Wassersensible Stadtentwicklung verstehen wir als interdisziplinäre gemeinsame Aufgabe von Planung, Betrieb und Pflege. Sie erfordert rechtliche und instrumentelle Anpassungen und baut auf bestehenden fachlichen Diskursen wie dem zur Nationalen Wasserstrategie auf.
[1] Der Begriff „abflussarm“ bezeichnet vereinfachend einen möglichst geringen Abfluss in die Kanalisation. Der natürliche Oberflächenabfluss ist dabei nicht gemeint.
Hintergrund
Wasser ist ein knappes Gut. Nach § 54 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) gilt gesammeltes Regenwasser[1] als Abwasser. Nach § 55 WHG ist Abwasser zu beseitigen. Dieser Rechtsbegriff wird der Bedeutung von Regenwasser als wertvoller Ressource für die Klimaanpassung nicht gerecht. Der Zusammenhang zwischen Regenwasserbewirtschaftung, Hitze- und Dürrevorsorge sowie der Vitalität des Stadtgrüns ist im geltenden Rechtsrahmen bislang nur unzureichend abgebildet.
Eine Weiterentwicklung des Rechtsbegriffs „Abwasser“ eröffnet neue Handlungsspielräume für eine wassersensible Stadtentwicklung. Regenwasser kann gezielt zur Bewässerung von Stadtgrün eingesetzt werden und zur Stabilisierung des urbanen Wasserhaushalts beitragen. Gleichzeitig lassen sich die hohen Kosten für Bewässerung sowie für Bau und Betrieb technischer Infrastrukturen der Regenwasserbewirtschaftung reduzieren.
Neben Regenwasser stellen auch gereinigtes Klarwasser aus Kläranlagen sowie aufbereitetes Betriebs- und Grauwasser eine wichtige Ressource für die Stadt im Klimawandel dar. Ihre Vorteile liegen in der kontinuierlichen Verfügbarkeit, auch in Hitze- und Trockenperioden. Mit der Verordnung über Mindestanforderungen an die Wasserwiederverwendung (EU 2020/741) besteht dafür bereits ein rechtlicher Rahmen, der weiter konkretisiert und mit nationalem Recht verzahnt werden soll.
Der Bund sollte mit seiner Gesetzgebungskompetenz zentrale Weichen stellen und einen Rahmen schaffen, der die Umsetzung auf kommunaler Ebene erleichtert.
Was ist zu tun?
- Das nationale Abwasserrecht wird an die Anforderungen der novellierten Kommunalabwasserrichtlinie (EU 2024/3019; kurz: KARL) angepasst. Dabei wird auch das Instrument der integrierten Pläne für die kommunale Abwasserbewirtschaftung (Art. 5 KARL) im Bundeswasserrecht umgesetzt. Um das Ziel zu erreichen, Mischwasserüberläufe zu verhindern, sind in den Abwasserbewirtschaftungsplänen Maßnahmen zu entwickeln, wobei grün-blauen Infrastrukturlösungen Vorrang einzuräumen ist. Weitere Anpassungen im WHG sind zu prüfen, um Niederschlagswasser positiv als Ressource zu definieren. Begriffe und zugehörige Regelungen zu Abwasser, Beseitigung und Entwässerung sollten im Rahmen einer Gesetzesnovellierung überprüft und in Abstimmung mit länderspezifischen Regelungen angepasst werden. Zukünftig reden wir nicht mehr von Entwässerung, sondern von Wassermanagement.
- Rechtliche Steuerungsmöglichkeiten und Vorgaben ermitteln, um abflussarme Siedlungsgebiete zu ermöglichen. Die Prüfung diesbezüglicher Regelungen wie beispielsweise im WHG, im Baugesetzbuch (BauGB) sowie in den Ländergesetzen können wichtige Ansatzpunkte sein, um eine Annäherung an einen naturnahen Wasserhaushalt zu erreichen. So kann das Ziel verfolgt werden, den Vorrang der Verdunstung und Versickerung vor der Ableitung zu verankern. Es wäre auch zu prüfen, wie regionale Kennwerte von maximalen Ableitmengen zur Verfügung gestellt werden können.
- Einen fachlichen und politischen Diskurs zur Gesetzgebung der Wasserwiederverwendung initiieren. Regenwasser, Klarwasser und Betriebswasser sollen unter Berücksichtigung von Umwelt-, Boden-, Gewässer- und Grundwasserschutzanforderungen stärker für Hitze- und Dürrevorsorge sowie für vitales Stadtgrün genutzt werden. Hemmnisse und Erfolgsfaktoren sind systematisch zu identifizieren.
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- Verbundvorhaben „Nutzwasserbereitstellung und Planungsoptionen für die urbane und landwirtschaftliche Bewässerung“/„Nutzwasser für urbanes Grün“ (Schweinfurt): Forschungs- und Modellvorhaben zur Wiederverwendung von Klarwasser für urbane und landwirtschaftliche Bewässerung; abgeschlossen; Trägerschaft: TU München, Stadt Schweinfurt (Stadt/Region); Fördermittelgeber: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Bewässerung von Grünflächen mithilfe des aufbereiteten kommunalen Wassers als Nutzwasser, cloudbasierte Managementsysteme, interaktiver Stakeholder-Prozess.
- Roof Water Farm (Berlin-Kreuzberg): Nutzung von recyceltem Wasser zur Bewässerung in urbanen Kontexten; kreislauforientierte urbane Wasser- und Lebensmittelproduktion; laufend;
Trägerschaft: TU Berlin, StadtManufaktur; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: dezentrale Aufbereitung und Nutzung von Regen-, Grau- und Schwarzwasser für Aquaponik, Hydroponik und Düngerproduktion, Wissens- und Infrastrukturtransfer, Beitrag zur lokalen urbanen Produktion und Förderung von Zirkularität.
- DWA-M 1200 „Wasserwiederverwendung für landwirtschaftliche und urbane Zwecke in Deutschland“ (bundesweit): technisches Regelwerk zur Wasserwiederverwendung für landwirtschaftliche und urbane Zwecke; in Bearbeitung; Trägerschaft: Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Schließung von Regelungslücken, Erarbeitung eines praxisnahen Leitfadens zur Wasserwiederverwendung, Schaffung von branchenübergreifenden Standards.
[1] Der Begriff wird hier vereinfacht synonym mit Niederschlagswasser verwendet.
Hintergrund
Viele Stadtquartiere sind stark versiegelt. Die Ableitung von Regenwasser über die Kanalisation ist bereits heute mit hohen Kosten verbunden. Mit zunehmenden Starkregenereignissen steigen die Anforderungen an die technische Infrastruktur weiter. Ein ausschließlich technischer Ausbau der Entwässerungssysteme ist langfristig weder wirtschaftlich noch nachhaltig.
Ein zukunftsfähiger Ansatz liegt in der dezentralen Bewirtschaftung von Niederschlagswasser im Quartier. Nach dem Schwammstadtprinzip wird Wasser zurückgehalten, genutzt, verdunstet und versickert. Ziel sind abflussarme Quartiere, die sich an der natürlichen Wasserbilanz orientieren. Das Regenwasser wird in einem abflussarmen Quartier nicht mehr in den Kanal abgeführt, sondern als eine wertvolle Ressource für die Klimaanpassung und Sicherung des vitalen Stadtgrüns eingesetzt. Die Konkurrenz um das Wasser ist groß, daher bedarf es einer ausgewogenen Strategie der Nutzung.
Naturbasierte Lösungen der Regenwasserbewirtschaftung lassen sich dabei mit vitalem Stadtgrün sowie mit Hitze-, Dürre- und Starkregenvorsorge kombinieren. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern spart auch Kosten.
Abflussarme Stadtquartiere im Neubau wie im Bestand zu schaffen, ist eine gemeinsame Aufgabe. Sie erfordert interdisziplinäre Planung, grundstücksübergreifende Lösungen und die stärkere Berücksichtigung des Untergrunds (inklusive Boden und Grundwasser). Die Planung der Oberfläche und des Untergrundes der Stadt werden zukünftig besser aufeinander abgestimmt. Dies erfordert geeignete rechtliche und instrumentelle Rahmenbedingungen und neue Prozesse. Es bedarf einer neuen Planungskultur, wenn die Oberfläche und der Untergrund als Einheit verstanden werden. Der Bund kann unterstützen, indem bestehende Steuerungsinstrumente gezielt weiterentwickelt und angepasst sowie Impulse zur Anpassung von Regelwerken, Normen und Prozessabläufen gesetzt werden. So können urbane Wasserkreisläufe gestärkt und Maßnahmen der wassersensiblen Stadtentwicklung schneller in die Fläche gebracht werden.
Was ist zu tun?
- Untergesetzliche Regelungen, Abwassersatzungen und Gebührenordnungen überprüfen. So kann Zirkularität des Regenwassers in der Stadt angeregt und auch finanziell belohnt werden. Ebenso sind Organisation und Praxis des kommunalen und privaten Regenwassermanagements stärker auf die gemeinsame und fachübergreifende Aufgabe der wassersensiblen Stadt auszurichten. Ziel ist es, Synergien zwischen Stadtgrün und Regenwasserbewirtschaftung zu heben und zugleich Kosten zu senken.
- Erfahrungen zur frühzeitigen Verknüpfung (Planungsphase 0) von Stadtquartierskonzepten und dem Ziel abflussarmer Siedlungsgebiete teilen und Planungsinstrumente weiterentwickeln.
- Grundlagen und Regularien zur Förderung abflussarmer Siedlungsgebiete entwickeln und fachlich untersetzen. Dazu gehören gebietsbezogene Wasserbilanzen in Orientierung am natürlichen Wasserhaushalt, Strategien und Regelungen für grundstücksübergreifende Lösungen (GÜL) der Regenwasserbewirtschaftung oder die Anwendung des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes nach § 176a BauGB für die wassersensible Stadtentwicklung.
- Mehrwerte für die Stadtentwicklung, Erfolgsfaktoren und Kosteneffizienzen sind darzustellen und daraus Handlungsbedarfe zur Anpassung von untergesetzlichen Regelwerken und Normen abzuleiten.
Referenzprojekte
- § 28 Abs. 4 Hessisches Wassergesetz (Hessen): gesetzliche Vorgabe, dass neue Siedlungsprojekte die Grundwasserneubildung nicht wesentlich beeinträchtigen dürfen; geltend; Trägerschaft: Land Hessen; Quelle.
Erfolgsfaktoren: rechtsverbindliche Norm, Begrenzung von Versiegelung, Schutz wichtiger Versickerungsbereiche, langfristige Sicherung der Ressource Wasser (Vorsorgeprinzip).
- Grobkonzepte Regenwasserbewirtschaftung (Berlin): parallel zur städtebaulichen Planung erstellte Grobkonzepte für größere neue Stadtquartiere inkl. Einleitbeschränkungen; laufend; Trägerschaft: Regenwasseragentur Berlin (Land Berlin, Berliner Wasserbetriebe); Quelle.
Erfolgsfaktoren: frühzeitiges Planungsinstrument in Vorbereitung der verbindlichen Bauleitplanung, systematische Analyse und Auswahl von Lösungen, Einbindung wasserwirtschaftlicher Prüfungen.
- „Grundstücksübergreifende Lösungen der Regenwasserbewirtschaftung“ (Berlin): Fachbroschüre zu kooperativen Lösungen der Regenwasserbewirtschaftung im Quartier und auf Grundstücken; abgeschlossen; Trägerschaft: Regenwasseragentur Berlin, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenUMVK), Land Berlin; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Abstimmungen und Verbindlichkeiten zwischen Beteiligten sowie Grundstückspartnern und Grundstückspartnerinnen, Musterlösungen und -verträge, Klärung rechtlicher und finanzieller Zuständigkeiten.
- Länderarbeitsgruppe Wasser (LAWA) „Auf dem Weg zur wassersensiblen Stadtentwicklung: Erfordernisse aus Sicht der Wasserwirtschaft“: Hinweise für die Gestaltung von integrierten Planungsprozessen zur wassersensiblen Stadtentwicklung, mit Vorschlägen für verbesserte naturnahe und technische Konzeptionen und Hebel zur verbesserten Umsetzung; Quelle.
Hintergrund
Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre zeigen, dass viele Landschaften ihre Fähigkeit verloren haben, Wasser zu halten. Feuchtgebiete wurden trockengelegt, Bäche begradigt, Entwässerungsgräben ausgebaut und Böden drainiert. Das Wasser sollte schnell abgeführt werden. Nach und nach sind die Nachteile dieser Entwicklung deutlich geworden: Moorige und organische Böden verlieren nach Entwässerung ihre humosen Anteile, verdichten sich, büßen ihre Schwammfunktionen ein und werden von Kohlenstoffspeichern zu CO2-Emittenten.
Die Landschaften insbesondere an den Rändern der Städte übernehmen zentrale Funktionen für Klimaanpassung, Hochwasserschutz, Schutz vor Überflutung aus Starkregen, die Stärkung des Landschaftswasserhaushalts sowie für Biodiversität und Naherholung und tragen damit zur Lebensqualität im städtischen Umfeld bei. Landschaften an den Rändern sind die ‚Vorgärten‘ der Stadt.
Darüber hinaus sind diese Landschaften wichtige Kompensationsräume, um Eingriffe in Natur und Landschaft von städtebaulichen Projekten und Infrastrukturvorhaben auszugleichen. Kompensationsflächen sind knapp und werden dringend für die Umsetzung der Ziele der Wohnungswirtschaft benötigt.
In der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) ist die Stärkung des Landschaftswasserhaushalts ausdrücklich als Ziel benannt. Daher wird eine stärkere Einbindung dieser Landschaftsräume in die Stadt- und Regionalentwicklung immer wichtiger und erfordert interkommunale Zusammenarbeit und neue Kooperationsformen. Konzepte wie Regionalparks und Grüne Ringe oder Strategien zur Förderung der aktiven Mobilität im Stadt-Umland-Kontext zeigen, wie Stadt und Landschaft gemeinsam gedacht und entwickelt werden können.
Was ist zu tun?
- Zusammenhänge und Wechselbeziehungen zwischen regionalen Landschaftssystemen und Stadtentwicklung im Kontext der Klimaanpassung analysieren. Die Bedeutung von Schwammlandschaften herausstellen und Anforderungen wie Gesundheitsschutz, Naherholung, Biodiversität, stadtnahe Landwirtschaft und Infrastruktur dabei interkommunal integriert mitdenken.
- Strategien und Leitbilder für Schwammlandschaften entwickeln. Interkommunale Umsetzungsprozesse sind dabei modellhaft zu initiieren und es ist aufzuzeigen, wie Stadtentwicklung und die Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts verknüpft werden können. Dies knüpft an die Leitbildentwicklung für den regionalen, naturnahen Wasserhaushalt der Aktion 7 der Nationalen Wasserstrategie an. Damit wird auch ein Beitrag geleistet, um das Ziel Wa-1.10 der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) „Leitbilder für den regionalen, naturnahen Wasserhaushalt erarbeiten“ umzusetzen.
- Kooperationsformen und Planungsinstrumente aufzeigen und erproben. Das Spektrum reicht vom Paradigmenwechsel in der Flurbereinigungsgesetzgebung zur Fluranreicherung und der Ausweisung von Gewässerentwicklungskorridoren über die Neuausrichtung der Aufgaben von Wasser- und Bodenverbänden als Schwammlandschaftsmanagement bis zur Weiterentwicklung des Instruments der Regionalparks.
Referenzprojekte
- Integriertes Freiraumentwicklungskonzept Kinderbachtal (Münster): Strategisches Konzept zur Entwicklung und Vernetzung von Freiräumen im Kinderbachtal; abgeschlossen; Münster (Stadt-/Landschaftsraum); Trägerschaft: Stadt Münster; Quelle.
Erfolgsfaktoren: landschaftliche Entwicklung im Huckepack mit großen Stadtentwicklungsprojekten, Schaffung von Mehrwerten der Stadtentwicklung für die Landschaft, Strategie zur Entwicklung der Stadtrandlandschaft.
- Regionalparks – Strategien zur Freiraum- und Landschaftsentwicklung in Verdichtungsräumen (bundesweit): Forschungsprojekt zu Governance-, Planungs- und Umsetzungsansätzen für Regionalparks in Metropolräumen; laufend; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Rahmen des Programms Modellvorhaben der Raumordnung (MORO), Zuwendungsgeber: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Entwicklung eines informellen, aber wirksamen Planungs- und Freirauminstrumentariums, interkommunale Kooperation und Netzwerkbildung, Entwicklung eines Gestaltungshandbuchs und einer Webplattform.
- Naturschutzgroßprojekt „Hamburg, deine Flüsse“ (Hamburg): Das Naturschutzgroßprojekt zielt darauf ab, die Fluss- und Auenlandschaften entlang von Hamburgs Fließgewässern im urbanen und periurbanen Raum zu renaturieren, die Biodiversität zu fördern und naturnahe Lebensräume für bedrohte Arten zu schaffen; laufend; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN), Zuwendungsgeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN); Quelle.
Erfolgsfaktoren: interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung, Gesundheit und Naturschutz; starke Einbindung von Bürgern und lokalen Akteuren in den Planungsprozess.
- Metro-Klima-Lab (Niederkassel, Troisdorf, Köln): interkommunales Modellvorhaben zur integrierten klimaresilienten Entwicklung des Metropolraums Köln/Bonn; laufend; Trägerschaft: Region Köln/Bonn e. V.; Fördermittelgeber: BMWSB im Rahmen des Bundesprogramms „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“; Quelle.
Erfolgsfaktoren: interkommunale Zusammenarbeit als Grundlage für regionale Klimaanpassung; integrierte Konzeption über Stadtgrenzen hinweg; Einbindung unterschiedlicher kommunaler und regionaler Akteure.
Fokusthema 2:
Grün-blau gesund – Gesundheit schützen und fördern
Stadtgrün spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheitsförderung aller Bevölkerungsgruppen, insbesondere im verdichteten urbanen Raum. Wissenschaftliche Studien belegen vielfältige direkte und indirekte gesundheitsförderliche Effekte von Grün: Es reduziert Umweltbelastungen wie Hitze[1] und Luftschadstoffe, fördert Erholung, mindert Stress und regt zu mehr Bewegung an. Damit trägt Stadtgrün sowohl zur Prävention als auch zur Therapie bei und erhöht die Lebensqualität.
Öffentlich zugängliche Grünflächen dienen zudem als Aufenthaltsorte, die unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Alter genutzt werden können. Der Ausbau und die gerechte Verteilung grün-blauer Infrastruktur sind wirksame und vergleichsweise kosteneffiziente Maßnahmen, um die Risiken umweltbedingter Erkrankungen zu reduzieren. Gesundheitsrisiken (Infektionen, Allergien), die mit dem Aufenthalt im Grünen verbunden sein können, sollten so weit wie möglich minimiert werden, z. B. durch Vermeidung von Pflanzen mit allergenem Potenzial bei der Begrünung.
Für die Umsetzung auf kommunaler Ebene ist ein kontinuierlicher Austausch zwischen Gesundheitsämtern, weiteren Gesundheitsakteuren wie beispielsweise Krankenkassen, Stadt- und Quartiersentwicklung, Verkehrs- und Grünämtern und den Verbänden des Gesundheitswesens zentral. Instrumente wie Hitzeaktionspläne oder ein Fachplan Gesundheit[2] können dafür wichtige Startpunkte bilden. Im Rahmen planerischer Gestaltungsspielräume sollten Aspekte der Umweltgerechtigkeit stärker berücksichtigt werden, um unterschiedliche Betroffenheiten von und Risiken für Gruppen in Abhängigkeit von Sozialräumen und -lagen möglichst effektiv zu vermeiden bzw. zu mindern.
Ziel
Wir zeigen die präventiven und therapeutischen Wirkungen von Stadtgrün und machen dessen Gesundheitsnutzen sichtbar. Wir entwickeln zielgruppenspezifische Maßnahmen einer stadträumlichen Gesundheitsvorsorge, identifizieren und priorisieren Handlungsbedarfe und knüpfen daran konkrete Beispiele der Gesundheitsförderung durch Stadtgrün.
Wir erfassen Belastungs- und Entlastungsfaktoren kleinräumig, um mehrfach benachteiligte Gebiete und vulnerable Gruppen wie z. B. Kinder, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen oder ältere Menschen zu unterstützen.
Wir schaffen Rahmenbedingungen für mehr Umweltgerechtigkeit, die Grünflächen insbesondere in unterversorgten oder belasteten Stadtquartieren wirksam und dauerhaft als Instrument der Gesundheitsförderung stärken.
[1] Die wissenschaftliche Evidenzlage zum Nexus Klima und Gesundheit ist in den drei Klimaberichten des Robert Koch-Instituts zusammengefasst: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health-Monitoring/Ausgaben/2023/JoHM-2023-node.html
[2] Der Fachplan Gesundheit ist ein informelles Instrument kommunaler Gesundheitsämter, das in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erprobt und gefördert wurde: https://www.lzg.nrw.de/ges_foerd/ges_kommune/ges_plan/fachplan_gesundheit/index.html
Hintergrund
Psychische Gesundheit ist eine Grundvoraussetzung für Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und soziale Teilhabe. Die Zahl psychischer Erkrankungen in Deutschland ist stark gestiegen. Auch die psychische Gesundheit und die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Wie die COPSY-Studie (2025) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigt, berichten beispielsweise 22 % der Kinder und Jugendlichen aktuell von einer eingeschränkten Lebensqualität.
Stadtgrün stärkt nachweislich die mentale Gesundheit.[1],[2] Es wirkt stimmungsaufhellend und reduziert Stress. Grünflächen sind deswegen besonders wichtige Erholungsräume für die Menschen in der Stadt. Damit ihr Beitrag zur psychischen Gesundheit wirksam wird, braucht es eine gute, gerecht verteilte Ausstattung mit Grün- und Freiräumen, deren Gestaltung Erholung und Naturerleben fördert. Hier bestehen enge Bezüge zu Handlungsfeld 17 „Gesundheit“ der Nationalen Strategie für Biologische Vielfalt 2030.
Auch soziale und räumliche Barrieren müssen abgebaut werden. Um der Manifestation psychischer Erkrankungen entgegenzuwirken sowie das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit zu stärken, sollten Grünflächen in Städten insbesondere für Kinder und Jugendliche attraktiv sein.
Was ist zu tun?
- Gestaltungsanforderungen, -qualitäten und -elemente zusammentragen, die die mentale Gesundheit, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, in Grün- und Freiräumen fördern. Diese Inhalte in einem Leitfaden oder einer Handreichung für Kommunen verständlich aufbereiten und vermitteln, ggf. unter Einbeziehung von Wissenschaft, Verbänden und Vereinen.
- Durch gezielte Netzwerkarbeit, etwa mit dem Deutschen Bundesjugendring, auf Initiative der Urbanen Liga und in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) sollen Multiplikatoren für die Potenziale von Grün- und Freiräumen für die mentale Gesundheit sensibilisiert und die fachübergreifende Kooperation von Stadtplanungs-, Grün- und Gesundheitsämtern gestärkt werden.
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- Vom Parkfriedhof zum Friedhofspark – Freiflächenumgestaltung eines Teilbereichs des Neuen Annenfriedhofs (Dresden): Umnutzung einer Friedhofsteilfläche für neue Grün- und Erholungsnutzungen; abgeschlossen; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Rahmen des Programms Green Urban Labs II, Zuwendungsgeber: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Öffnung einer vorhandenen Grünfläche für das Quartier; Abstimmung zwischen Kommune und Kirche als Eigentümer, breite Beteiligung der Bevölkerung.
- Green Care (Gartentherapie/Natur- und Erlebnispädagogik) (bundesweit und international): Ansatz zur Förderung physischer, psychischer und sozialer Gesundheit durch natur- und tiergestützte Aktivitäten; laufend; diverse Träger (Green-Care-Initiativen, soziale Einrichtungen); Quelle und Quelle.
Erfolgsfaktoren: positive Gesundheitswirkung von Natur und Naturprodukten auf den Menschen gezielt nutzen und fördern.
- Naturerfahrungsräume (bundesweit): spezielle Naturgebiete und naturnahe Flächen im direkten Wohnumfeld für intensives Naturerleben, insbesondere für Kinder und Jugendliche; laufend; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN), Zuwendungsgeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN); Leitfaden
und Quelle.
Erfolgsfaktoren: Zugänglichkeit und Sicherheit; Vielfalt der Erlebnismöglichkeiten; pädagogische Begleitung; langfristige Pflege und Schutz; Einbindung der lokalen Gemeinschaft.
- Naturschutz, Gesundheit, Soziales und Stadtplanung – Kooperative Perspektiven für eine nachhaltige Stadtentwicklung (bundesweit): Forschungsvorhaben zum Zusammenhang zwischen Naturschutz, Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit in der Stadtplanung; laufend; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN), Zuwendungsgeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN); Quelle.
Erfolgsfaktoren: interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung, Gesundheit und Naturschutz; Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern sowie lokalen Akteuren in den Planungsprozess.
[1] Vgl.: Claßen, Thomas; Bunz, Maxie (2018): Einfluss von Naturräumen auf die Gesundheit – Evidenzlage und Konsequenzen für Wissenschaft und Praxis. In: Bundesgesundheitsblatt 61, 720–728 (2018). URL: https://doi.org/10.1007/s00103-018-2744-9.
[2] Vgl. auch: Methorst, Joel (2021): Positive relationship between bird diversity and human mental health: an analysis of repeated cross-sectional data. In: Science of the Total Environment 789. URL: https://www.hwwi.org/publikation/positive-relationship-between-bird-diversity-and-human-mental-health-de/
Hintergrund
Die kommunalen Mittel, um Stadtgrün zu stärken, sind begrenzt. Umso wichtiger ist es, Grünmaßnahmen dort vorrangig umzusetzen, wo bauliche Problemlagen, Umweltbelastungen und soziale Vulnerabilitäten zusammentreffen. Viele dieser Belastungen lassen sich durch grün-blaue Maßnahmen direkt reduzieren. Insbesondere die Hitzebelastung im urbanen Raum stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar und wird in den nächsten Jahren noch signifikant zunehmen.
Dazu sind Daten zu gesundheitsrelevanten Umweltbelastungen wie klimatische Belastungen zu überlagern mit Sozialdaten, die verdeutlichen, wo in der Stadt besonders viele Menschen betroffen und/oder die Anteile vulnerabler Gruppen besonders hoch sind. Dies erleichtert der kommunalen Ebene, die lokale Umweltqualität, Mehrfachbelastungen und resultierende Auswirkungen zu beurteilen, und erlaubt die Erfolgskontrolle ergriffener Maßnahmen. Eine gerechte Verteilung von Grün ist dabei essenziell, um Verdrängungsrisiken (Green Gentrification) entgegenzuwirken.
Die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) greift diesen Aspekt auf, z. B. im Handlungsfeld „Stadt- und Siedlungsentwicklung“. Hier entwickelt der Bund derzeit für das Monitoring der Indikatoren eine einheitliche Datenbasis für Städte ab 10.000 Einwohnenden. Diese soll es Kommunen ermöglichen, Mehrfachbelastungen sichtbar zu machen und Grünmaßnahmen gezielt dort einzusetzen, wo die Gesundheitsrisiken besonders hoch sind. Im Cluster „menschliche Gesundheit und Pflege“ werden sowohl das individuelle Verhalten als auch die Verhältnisprävention, d. h. die Rahmenbedingungen, beispielsweise in Kommunen, gestärkt.
Was ist zu tun?
- Bundesweit kleinräumige Basisdaten zur Stadt- und Siedlungsentwicklung erheben, Kommunen zur Verfügung stellen, Praxistests durchführen. So kann der Einsatz von Stadtgrün zur Hitzereduktion gestärkt werden, insbesondere in mehrfach belasteten Gebieten. Damit wird zugleich die Grundlage zur Anwendung der DAS-Indikatoren „Erreichbarkeit kühlender Grünflächen“ und „Versickerungsfähige Oberflächen“ geschaffen.
- Kommunen bei der Nutzung datenbasierter und indikatorgestützter Stadtraumanalysen unterstützen. Diese Analysen sollen eine risikoinformierte und chancengerechte Stadtentwicklung ermöglichen und Maßnahmen für vulnerable Gruppen in Mehrfachproblemlagen priorisieren. Grundlage ist das Modellieren von Problem- und Risikolagen, etwa durch die Überlagerung kleinräumiger Sozial-, Klima- und Grünbestandsdaten
Referenzprojekte
- Strategien für Stadtgrün in der wassersensiblen Stadt: digital – konkret – smart (Saarbrücken): Modellvorhaben zur wassersensiblen Stadtentwicklung; Speicherung von Regenwasser im Straßenraum und sensorgestützte Bewässerung von Straßenbäumen; Identifikation und Aktivierung von Grünpotenzialen durch digitale Werkzeuge; abgeschlossen;
Fördermittelgeber: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Rahmen des Programms Green Urban Labs II, Zuwendungsgeber: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Modellierung für risikoinformierte Stadtentwicklung nutzen, Grünmaßnahmen für vulnerable Gruppen priorisieren. - Webbasiertes Tool zu Monitoring, Controlling und Kommunikation von Anpassungsmaßnahmen (Mainz): Modellvorhaben, in dem der Einsatz eines KI-gestützten webbasierten Monitoring-Tools zur Erfassung und Bewertung urbaner Hitze geprüft wird; laufend; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Rahmen des Programms Urban Heat Labs, Zuwendungsgeber: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Monitoring von Umsetzbarkeit und Wirkungen von Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen. - Gemeinsam planen für eine gesunde Stadt (bundesweit): Veröffentlichung zu Planungsempfehlungen für gesundheitsfördernde Stadtentwicklung; abgeschlossen; Trägerschaft: Umweltbundesamt (UBA) und Deutsches Institut für Urbanistik (Difu); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Handlungsempfehlungen für die räumlich Planenden in Städten für mehr Gesundheit in der Stadt. - Umweltgerechtigkeitsatlas (Berlin): kartenbasiertes Analyseinstrument zur Darstellung von Umweltbelastungen und sozialer Lage im Stadtraum; laufend; Trägerschaft: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Identifikation von mehrfach belasteten Stadtgebieten in Berlin ermöglicht umweltgerechte Planung. - HitzeService-Portal (bundesweit): Onlineportal des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zur Information von Kommunen über Gesundheitsschutzmaßnahmen bei Hitze, inkl. Kommunikationskonzept und Leitfäden für Risikogruppen; laufend;
Fördermittelgeber: BMG; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Kommunikation und Aufklärung zu gesundheitlichen Risiken von Hitze für kommunale Entscheider; niedrigschwelliger Zugang zu Handlungsempfehlungen. - StadtRaumMonitor (bundesweit):
partizipatives Instrument zur Datenerhebung und Bewertung relevanter Bereiche des Lebensumfeldes, die einen Einfluss auf die Gesundheit haben, z. B. Naturräume; laufend;
Trägerschaft: Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BiÖG); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Bewohnerinnen und Bewohner werden als Experten und Expertinnen einbezogen, um ein lebenswertes und gesundheitsförderndes Lebensumfeld mitzugestalten. - Gesundheit in der Stadt: Maßnahmen für einen gesunden Lebensraum (bundesweit):
Forschungsprojekt zur Erarbeitung einer „Datenbasierten Kleinräumigen Indikatorgestützten Stadtraumanalyse (DaKIS)“ zur Erhebung und Darstellung gesundheitlicher Be- und Entlastungsfaktoren; abgeschlossen; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), Zuwendungsgeber: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Handreichung zur Bewertung umweltbezogener Gesundheitsrisiken und -chancen für Kommunen.
Hintergrund
Bewegungsmangel ist ein gravierendes Gesundheitsrisiko: Laut WHO (2022) bewegen sich 44 % der Frauen und 40 % der Männer in Deutschland zu wenig; bei Jugendlichen ist der Anteil noch höher (88 % der Mädchen, 80 % der Jungen).
Grünflächen fördern körperliche Aktivität auf vielfältige Weise. Sie sind Orte für Sport und Spiel und stärken aktive Mobilität, indem sie attraktive Wege für Fußgänger und Radfahrende bieten. Durch besser vernetzte Grünzüge entstehen zusammenhängende Lauf- und Bewegungsrouten – eine Stadt als Bewegungswelt. Um mehr Menschen zu motivieren, braucht es sowohl bewegungsfördernde Gestaltung als auch organisatorische Ansätze wie Bewirtschaftung, Pflege sowie aktivierende Angebote. Grünräume sollten multifunktional nutzbar sein und Bewegung im Alltag ermöglichen. Der Bund möchte Kommunen dazu anregen, die Stadt mit ihren Grün- und Freiräumen als vielfältiges Bewegungsangebot zu begreifen.
Grünräume können gezielt als Bewegungsräume gestaltet werden, während monofunktionale Sportflächen durch Öffnung und multifunktionale Gestaltung mit bestehenden Grünflächen vernetzt und einer breiteren Nutzung zugeführt werden können. Mit über 65.000 Sportplätzen in Deutschland (BISp 2023) besteht hier ein großes Potenzial, das sich für eine bewegungsorientierte, gesundheitsfördernde Stadtentwicklung aktivieren lässt.
Was ist zu tun?
- Wechselseitiges Einbringen des Themas in die unterschiedlichen Fachdiskurse. Ziel ist es, sowohl Multifunktionalität (u. a. Klimaanpassung), Öffnung und ggf. höhere Biodiversität von Sport-Freianlagen als auch geräteunabhängige, offene Bewegung in Freiräumen zu unterstützen.
- Best-Practice-Beispiele fördern und vermitteln, die zeigen, wie Grünräume zur Bewegungsförderung gestaltet und ausgestattet werden können. Dazu zählen auch die Verzahnung von Sportentwicklungsplanung und Freiraumplanung sowie die Entwicklung von Grünachsen als Rad- und Wanderwege.
- Die Entwicklung von Referenzprojekten bzw. guten Beispielen ermöglichen, die darstellen, wie Sportplätze und Schulhöfe zu Bewegungslandschaften umgebaut und für das Quartier geöffnet werden können.
- Fachliche Evidenz zum Potenzial von Grün- und Freiräumen für die Bewegung und Bewegungsförderung für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbereiten.
- Handlungskonzepte, die zu Bewegung im Grünen anregen, breit kommunizieren und vermitteln (z. B. „GreenGym“).
- Durchführung von interdisziplinären Maßnahmen zur Förderung der aktiven Mobilität, v. a. bei Bevölkerungsgruppen, die wenig aktiv mobil und/oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- Sport in Köln – Lebensfreude in Bewegung (Köln): Gutachten zur strategischen Weiterentwicklung von Sport, Bewegung und Freiräumen in der Stadt; abgeschlossen; Trägerschaft: Stadt Köln (Autoren Prof. Dr. Kähler, Prof. Dr. Thieme, Prof. Dr. Brandl-Bredenbeck & Dr. Fischer); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Potenzialräume für Bewegung im gesamten Stadtgebiet sichten und Entwicklungsmaßnahmen darstellen. - „Active City“ – Leitbild der Sportentwicklung (Hamburg): strategisches Leitbild zur Nutzung von Parks und Grünanlagen als Bewegungsräume im Alltag; laufend; Trägerschaft: Freie und Hansestadt Hamburg; Quelle.
Erfolgsfaktoren: zielt auf Aktivitätsförderung im gesamten Stadtraum und Zugänglichkeit zu Sportangeboten. - „Impulse für mehr Sport und Bewegung in der Stadt“ (Berlin): Broschüre mit Impulsen, um den öffentlichen Raum systematisch als Bewegungs- und Sportfläche zu nutzen; abgeschlossen; Trägerschaft: Senatsverwaltung für Inneres und Sport – Abteilung Sport, Referat Sportentwicklung und Sportinfrastruktur; Quelle.
Erfolgsfaktoren: „Stadt als Sportplatz“, alle Flächenpotenziale auf Bewegungspotenzial hin prüfen. - Bundespreis Stadtgrün 2024: DEIN PARK – Grüner Freiraum für Bewegung, Kreativität und Naturverbindung (Neuruppin): Umgestaltung eines öffentlichen Parks zu einem vielseitigen Bewegungs- und Begegnungsraum; abgeschlossen; Trägerschaft: Stadt Neuruppin; Quelle.
Erfolgsfaktoren: breit getragener Beteiligungsprozess mit erprobten Mitmachformaten; ausgewogene Verbindung von offener Aneignung und gezielten baulichen Elementen. - Ring aus Inselgärten – Parkband Hintere Insel (Lindau): beispielhafte Konversion von Verkehrsflächen in öffentlich nutzbares Stadtgrün; abgeschlossen; Trägerschaft: Stadt Lindau; Quelle.
Erfolgsfaktoren: innovative und wertige Umsetzung, Uferzonen wurden zugänglich gemacht, Sport-, Bewegungs- und Erholungsangebote geschaffen. - Bewegungslandkarte (bundesweit): digitale Übersicht wohnortnaher Bewegungs- und Sportangebote im öffentlichen Raum; laufend;
Trägerschaft: Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Sport- und Bewegungsangebote und -orte in der Nähe finden; bundesweit und niedrigschwellig. - Bürger- und Sportpark Radbruch (Radbruch):
Neuanlage eines multifunktionalen Sportparks als grüner Freiraum für Sport, Bewegung und Erholung; abgeschlossen;
Trägerschaft: Gemeinde Radbruch; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Rahmen des Bundesprogramms „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel", Zuwendungsgeber: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: multifunktionale Freiraumgestaltung für unterschiedliche Nutzergruppen und Aktivitäten; Verknüpfung von Sport- und Bewegungsangeboten mit naturnahen Freiräumen; Einbindung der Bürgerschaft in Planung und Gestaltung.
Fokusthema 3:
Grün-blau sozial – Freiräume gemeinschaftlich und gerecht nutzen
Grüne und blaue Freiräume sind eine essenzielle soziale Ressource. Sie bieten Raum für Austausch, Bewegung und Rückzug und erfüllen damit zentrale Funktionen für Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen. Dies gilt insbesondere für ältere Menschen, Kinder und Jugendliche, (Allein-)Erziehende, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen, Pflegende, Geflüchtete und Migranten, Wohnungs- und Arbeitslose sowie Haushalte mit geringem Einkommen.[1]
Diese Gruppen sind zugleich häufiger räumlich benachteiligt, da sie überproportional von der Unterversorgung mit qualitätsvollen, wohnungsnahen Grünräumen und von Umweltbelastungen betroffen sind. Sie haben zudem oft nur begrenzte Möglichkeiten, alternative Erholungsräume zu erreichen. Im Fokusthema „grün-blau sozial“ steht daher die Umweltgerechtigkeit im Zeichen sozialer Teilhabe im Mittelpunkt: Neben Zugang, Erreichbarkeit und Verteilung von Grün- und Freiflächen rücken vor allem deren aktive Aneignung und Nutzung durch unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in den Fokus.
Gesellschaftliche Entwicklungen wie die Zunahme von Einpersonenhaushalten, mehr Homeoffice und verbreitete soziale Isolation verstärken diesen Bedarf. Einsamkeit entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen gesellschaftlichen Problem. Wo alltägliche Begegnungen seltener werden, gewinnen wohnungsnahe, niedrigschwellige Begegnungsorte an Bedeutung für den sozialen Zusammenhalt.
Aktive Aneignung und Nutzung des Stadtgrüns können wichtige Erfolgsfaktoren sein. Sie können unterstützen, dass die Stadtgesellschaft die Grün- und Freiräume pfleglich und wertschätzend nutzt und mitgestaltet. Sie können auch dazu beitragen, Projekte dauerhaft zu stabilisieren und zu verstetigen.
Ziel
Wir entwickeln Grünräume systematisch als soziale Infrastruktur, die vulnerable Gruppen stärkt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert. Auf diese Weise wirken wir Einsamkeit und sozialer Isolation gezielt entgegen. Unser Ziel sind grün-blaue Infrastrukturen, die für alle erreichbar, zugänglich, nutzbar und sicher sind und als lebendige Alltagsorte Identifikation und sozialen Austausch ermöglichen, Gesundheit fördern, nachbarschaftliche Netzwerke stärken und demokratische Teilhabe durch partizipative Gestaltung und gemeinschaftliche Pflege unterstützen.
Diese Transformation braucht strategische Steuerungsinstrumente – Programme, Förderlogiken und rechtliche Rahmenbedingungen – ebenso wie lokale Mitgestaltung, die auf bestehende Netzwerke und Engagement vor Ort aufbaut. So wird grün-blaue Infrastruktur zu einer gemeinsamen Aufgabe und zu einem wirksamen Instrument integrierter Quartiersentwicklung, das ökologische, soziale und gesundheitliche Ziele verbindet.
[1] Der Vierte Gleichstellungsbericht macht deutlich, dass Klimaschutz, Biodiversität, Gemeinwohl und Sorgearbeit in den Fokus der Stadt- und Raumentwicklung rücken müssen.
Hintergrund
Vulnerable Gruppen benötigen qualitätsvolle Begegnungsorte in ihrem direkten Wohnumfeld. Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder geringem Einkommen sind besonders auf wohnungsnahe, fußläufig erreichbare Orte für Erholung, Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe angewiesen. Der aktuelle 9. Altersbericht betont, dass insbesondere ältere Menschen „nur durch adäquat gestaltete Grünräume Zugang zu Erholungs- und Bewegungsmöglichkeiten haben“. Gleichzeitig wird das soziale Potenzial von Grünflächen vielerorts nicht ausgeschöpft: Sie werden überwiegend unter ökologischen Gesichtspunkten betrachtet, obwohl internationale Studien zeigen, wie stark gut gestaltete Freiräume mit einer hohen Aufenthaltsqualität soziale Vernetzung, Identifikation mit dem Ort und Wohlbefinden fördern.
Gleichzeitig nehmen Einsamkeit und soziale Isolation in vielen Städten zu – befördert u. a. durch mehr Einpersonenhaushalte, Homeoffice und veränderte Alltagsrhythmen. Wo alltägliche Begegnungen seltener werden, gewinnen wohnungsnahe Grünräume als niedrigschwellige Treffpunkte zusätzliche Bedeutung. Grünräume können hier eine wichtige soziale Infrastruktur darstellen – wenn ihre Gestaltung Begegnung, sozialen Austausch, Teilhabe und Aneignung ermöglicht.
Was ist zu tun?
- Eine Argumentationshilfe für die Gestaltung von Grünräumen unter sozialen Gesichtspunkten entwickeln. Darin soll auch sichtbar werden, wie Gestaltung Identifikation mit und Aneignung des Ortes erleichtern kann. Für eine nachhaltig qualitätsvolle Gestaltung zur Förderung der Akzeptanz müssen neben den Baukosten auch Instandsetzungs- und Pflegekosten mitbetrachtet und langlebige Materialien sowie standortgerechte Pflanzkonzepte verwendet werden.
- Den Bundespreis Stadtgrün gezielt nutzen, um vorbildliche Gestaltungsansätze für soziale Interaktion sichtbar zu machen und zu verbreiten.
- In Beteiligungsprozessen gemeinsam mit Bewohnenden Qualitätskriterien für die Gestaltung u. a. für vulnerable Gruppen entwickeln. Wie lassen sich seniorengerechte Ausstattungen realisieren? Wie gestaltet man familienfreundliche Bereiche? Die Maßnahmen sollten dabei immer genug Spielraum für spätere Aneignungen durch Nutzerinnen und Nutzer lassen.
- Zentrale kommunale Plätze gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern so umgestalten, dass sie als kühle Orte und soziale Treffpunkte besser nutzbar werden.
- Die Schnittstelle zwischen Grün- und Freiraumentwicklung und Einsamkeitsprävention in die ressortübergreifende Zusammenarbeit einbringen.
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- Maxplatz/Leopoldplatz (Berlin-Wedding): Umgestaltung zweier innerstädtischer Plätze mit klarer Zonierung, Grünaufwertung und verbesserten Aufenthaltsqualitäten; abgeschlossen; Trägerschaft: Bezirksamt Mitte von Berlin; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Neuordnung der Platzflächen mit klarer Zonierung, Aufwertung der Grünflächen mit neuer Bepflanzung und Sitzgelegenheiten, Beteiligung der Anwohnenden. - Ostpark (Frankfurt am Main): Umgestaltung eines innerstädtischen Parks auf Basis von Nutzungsbefragungen, Anpassung an unterschiedliche Nutzungsbedürfnisse im Alltag; abgeschlossen;
Trägerschaft: Stadt Frankfurt am Main; Quelle.
Erfolgsfaktoren: beteiligungsbasierte Planung auf Grundlage von Stimmungsbildern, Gestaltung für unterschiedliche Nutzergruppen und Alltagsbedarfe. - Pop-up-Park am Rathausplatz (Tallinn, Estland): Temporäre Begrünung und flexible Möblierung eines städtischen Platzes als taktisch-urbanistisches Experiment; abgeschlossen;
Trägerschaft: Stadt Tallinn; Quelle.
Erfolgsfaktoren: politischer Rückhalt für temporäre Maßnahmen, niedrigschwellige Erprobung von Begrünungsmaßnahmen, interdisziplinäre Kooperation zwischen Stadtplanung und Grünflächenmanagement. - Öffentliche Räume im Spannungsfeld vielfältiger Anforderungen (BBSR, 2025): Fachpublikation zur Rolle öffentlicher Räume zwischen Nutzungsdruck, Klimaanpassung und sozialer Integration; untersucht Zielkonflikte und zeigt strategische sowie planerische Ansätze für eine multifunktionale Gestaltung auf; abgeschlossen;
Trägerschaft: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: integrierte Betrachtung unterschiedlicher Nutzungsansprüche, Verbindung von Klimaanpassung und sozialer Funktion, Stärkung kommunaler Handlungskompetenzen durch Leitbilder und Beispiele, praxisnahe Aufbereitung für Planung und Verwaltung. - Gemeinsam Räume für gutes Zusammenleben gestalten: Baukulturelle Leitlinien des Bundes (BMWSB, 2024): Strategisches Grundsatzdokument zur Förderung von Baukultur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe; formuliert Leitlinien für qualitätsvolle, inklusive und nachhaltige Gestaltung von gebauten und öffentlichen Räumen; abgeschlossen; Trägerschaft: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen; Quelle
Erfolgsfaktoren: klare normative Leitbilder für Planung und Politik, Betonung von Gemeinwohlorientierung und Teilhabe, ressortübergreifender Ansatz, Orientierung für Kommunen bei der Entwicklung qualitätsvoller und resilienter Räume.
- Ein Park für alle im Stadtteil Hochheide (Duisburg): Aufwertung einer Grünanlage zum gemeinschaftlich genutzten Begegnungspark; abgeschlossen;
Trägerschaft: Stadt Duisburg; Fördermittelgeber: BMWSB im Rahmen des Bundesprogramms „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“; Quelle.
Erfolgsfaktoren: gemeinschaftliche Planung mit aktiver Beteiligung der Anwohnenden; Aufwertung von Bestandsgrün als soziale Infrastruktur; Stärkung des nachbarschaftlichen Zusammenhalts im Quartier.
Hintergrund
Parks und größere Grünflächen bieten ideale Rahmenbedingungen für vielfältige programmatische Angebote – von Sport und gemeinschaftlichem Gärtnern über interkulturelle Feste bis hin zu Bewegungsangeboten für Ältere und naturpädagogischen Formaten. Solche Angebote können gleichzeitig mehrere Funktionen erfüllen: Sie schaffen Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs, stärken nachbarschaftliche Netzwerke und können auch sozialer Isolation entgegenwirken. Entscheidend für den Erfolg ist jedoch eine klare „Kümmererfunktion“, die kontinuierlich Angebote organisiert, Menschen zusammenbringt und als Ansprechpartner für Fragen und Konflikte zur Verfügung steht.
Viele Parks wirken belebt, verfügen jedoch nicht über dauerhafte, zielgruppenspezifische Angebote.
Gleichzeitig verfügen viele soziale Träger über das nötige Fachwissen und hohe Motivation, entsprechende Formate anzubieten – ihnen fehlen jedoch oft geeignete Räumlichkeiten oder eine verlässliche langfristige Finanzierung. Ihr lokales Wissen über Quartiere und Bewohnerschaft ist zudem ein zentraler Baustein für eine erfolgreiche Klimaanpassung vor Ort. Gerade hier können Parks eine wichtige Ressource sein, vorausgesetzt, es bestehen klare organisatorische Strukturen, eine ausreichende Finanzierung des zusätzlichen Pflegeaufwands und eine stabile, dauerhaft tragfähige Trägerschaft.
Was ist zu tun?
- Ansätze aufzeigen, wie eine systematische und dauerhafte Vergabe von Parkpatenschaften an soziale Träger organisiert werden kann. Der Auftrag soll sein, niedrigschwellige Angebote für vulnerable Gruppen umzusetzen (z. B. Bewegungsangebote, Spielaktionen, Begegnungsformate), insbesondere für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen.
- Gelingensbedingungen für das Zusammenspiel von Grünflächenpflege und sozial verantwortlicher Betreuung des Grünraums untersuchen. Wie lassen sich beide Aufgaben institutionell verankern und koordinieren? Bewährte Modelle wie die Wiener Parkbetreuung dienen als Referenz.
- Den Bundespreis Stadtgrün gezielt nutzen, um vorbildliche soziale Angebote für Teilhabe sichtbar zu machen und zu verbreiten.
- Vorschläge und Beispiele aufzeigen, wie Mikroförderungen von Kommunen als Instrument genutzt werden können, um lokale Einrichtungen im Quartier – etwa Kitas, Nachbarschaftstreffs oder soziale Beratungsstellen – mit kleinen Budgets zu befähigen, niedrigschwellige Aktionen im Freiraum anzubieten. Verfügungsfonds in der Städtebauförderung (insb. Programm „Sozialer Zusammenhalt“; Programme „Lebendige Zentren“ sowie „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ mit anteiliger Finanzierung durch regionale Akteure) eignen sich als Ausgangspunkt.
- In der Begleitung zur Städtebauförderung die soziale Wirkung grün-blauer Maßnahmen stärker in den Fokus rücken – insbesondere ihren Beitrag zu Teilhabe und Begegnung in benachteiligten Quartieren.
- Wege für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Kommunalverwaltungen und sozialen Trägern entwickeln, insbesondere bei der Erstellung und Umsetzung von Klimaanpassungsstrategien (auch in Innenstädten).
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- Parkbetreuung Wien: sozialpädagogische Kinder- und Jugendbetreuung in Parks und lokalen Grünräumen durch soziale Trägervereine; laufend;
Trägerschaft: soziale Trägervereine im Auftrag der Stadt Wien (seit 1993); Quelle.
Erfolgsfaktoren: professionelle sozialpädagogische Begleitung; seit 1993 bewährte Kontinuität des Angebots; Stärkung der sozialen Funktion von Grünräumen. - Grätzloasen Wien: Kleinstförderungen für temporäre Begrünungs- und Begegnungsaktionen im öffentlichen Raum; niedrigschwellige Antragslogik für Bewohnerinnen und Bewohner; laufend; Trägerschaft: Stadt Wien (Lokale Agenda 21); Quelle.
Erfolgsfaktoren: unbürokratischer Zugang zu Kleinstförderungen; Aktivierung von Bewohnerinnen und Bewohnern für temporäre Raumgestaltung; schnelle Sichtbarkeit von Grünmaßnahmen. - Verfügungsfonds in deutschen Städtebaufördergebieten:
Instrument der Städtebauförderung zur finanziellen Unterstützung lokaler Projekte und Initiativen im Quartier; dient der Aktivierung von Akteuren vor Ort und der Umsetzung kleinteiliger, gemeinwohlorientierter Maßnahmen; laufend; Trägerschaft: Kommunen im Rahmen der Programme der Städtebauförderung; Quelle.
Erfolgsfaktoren: unbürokratische Antragsverfahren, lokale Beratungs- und Begleitstrukturen, schnelle und transparente Bewilligungsprozesse, Aktivierung zivilgesellschaftlicher Akteure und Stärkung lokaler Verantwortung. - Interkultureller Garten „bunte erde“ (Chemnitz): interkultureller Gemeinschaftsgarten als niedrigschwelliger Ort der Begegnung und sozialen Teilhabe für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen; laufend; Trägerschaft: Bunte Erde e. V.; Quelle.
Erfolgsfaktoren: niedrigschwelliger Zugang für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Generationen; gemeinschaftliche Bewirtschaftung als soziales Bindemittel und Integrationsinstrument; Stärkung von Natur- und Umweltbewusstsein im urbanen Raum.
Hintergrund
In öffentlichen urbanen Freiräumen treffen vielfältige Nutzergruppen mit unterschiedlichen, teilweise gegensätzlichen Ansprüchen aufeinander: Anwohnende suchen Ruhe und Erholung, Jugendliche Treffpunkte, Wohnungslose Aufenthaltsmöglichkeiten, Eltern sichere Spielflächen, Besucherinnen und Besucher Wege, die sie angstfrei benutzen können. Zugleich suchen Drogenabhängige Rückzugsräume. Diese Situation führt häufig zu Übernutzung, Konflikten, Verdrängung sozial benachteiligter Gruppen und reduziert die Aufenthaltsqualität. Wenn Politik oder Verwaltung Sitzgelegenheiten entfernen oder Nutzungen restriktiv regeln, keinen Gestaltungsspielraum für nachbarschaftliche Aneignung bieten und wenn keine angemessene Pflege erfolgt, verstärkt das die Abwertung öffentlicher Grünflächen.
Dabei erfüllen diese Orte wichtige soziale Funktionen – oft sind sie die einzigen öffentlich zugänglichen Aufenthaltsräume in dicht bebauten Quartieren. Damit die Nutzbarkeit, Sicherheit, Sauberkeit und Zugänglichkeit für unterschiedliche Gruppen gewährleistet bleiben, müssen Nutzungskonflikte moderiert oder durch Rücksichtnahme, nachbarschaftliches Engagement und räumliche Gestaltung vermindert werden.
Was ist zu tun?
- Zielkonflikte frühzeitig adressieren. Sicherheit im öffentlichen Raum adressieren, um Nutzungskonflikte in Grünräumen zu verringern.
- Strategien für Orte entwickeln, die als Begegnungsräume geschätzt werden, aber Symptome von Übernutzung, Verwahrlosung und Nutzungskonflikten aufweisen. Wo nötig, Alternativen schaffen.
- Kooperative Konzepte mit der Nachbarschaft können den Pflegezustand und die Aufenthaltsqualität verbessern und mit gewünschten Umweltwirkungen (z. B. Kühlung) verbinden.
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- Suermondt-Park (Aachen): Neuanlage eines Parks als „Freiraum für alle“ in einem hoch verdichteten und sozial benachteiligten Quartier; Bundespreis Stadtgrün 2022; abgeschlossen;
Trägerschaft: Stadt Aachen; Quelle.
Erfolgsfaktoren: passgenaue Gestaltung für ein heterogenes Nutzungsprofil; Beteiligung der Anwohnenden; Sicherung der Nutzbarkeit für vulnerable Gruppen. - Bremer Platz (Münster): Umgestaltung eines innerstädtischen Platzes unter besonderer Berücksichtigung der Bedarfe von Anwohnenden, Drogenabhängigen und weiteren Nutzergruppen; abgeschlossen;
Trägerschaft: Stadt Münster; Quelle.
Erfolgsfaktoren: bedarfsgerechte räumliche Aufteilung; systematisches Konfliktmanagement zwischen verschiedenen Nutzergruppen; Berücksichtigung vulnerabler Gruppen in der Freiraumgestaltung. - Wilhelmsburger Inselpark (Hamburg): ehemaliges IGA-Gelände (Internationale Gartenschau 2013) als dauerhaft öffentlich genutzter Stadtpark mit vielfältigen Bewegungs- und Begegnungsangeboten; abgeschlossen; Trägerschaft: Freie und Hansestadt Hamburg/Bezirk Hamburg-Mitte; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Nachnutzung eines Gartenschaugeländes als dauerhafter Stadtteilpark; Multifunktionalität für unterschiedliche Nutzergruppen; Stärkung des Stadtteils Wilhelmsburg. - Ökologischer Grünzug Wrangelkiez (Berlin-Kreuzberg): Vernetzung dreier Grünflächen unter Einbeziehung des Wassers im dicht bebauten Wrangelkiez; Aufwertung des wohnungsnahen Freiraums; abgeschlossen; Trägerschaft: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Grünraumvernetzung im Bestand; Bürgerbeteiligung als fester Planungsbestandteil; Aufwertung von Stadtnatur in einem dicht bebauten Quartier.
Fokusthema 4:
Grün-blau statt grau – Raumpotenziale neu gewinnen und vernetzen
Städte benötigen eine vernetzte grün-blaue Infrastruktur, die sich räumlich in mehreren Ebenen entfaltet, um wirksam zur Klimaanpassung und zu einer höheren Lebensqualität beizutragen. Ihre volle Wirkung erreicht sie dort, wo auch in der Konkurrenz um Flächen ökologische und soziale Funktionen gestärkt und eine hohe Nutzungs- und Gestaltungsqualität erreicht werden. Dafür müssen Stadtgrün und Wasser systematisch mit anderen Nutzungen verknüpft, in der Stadtentwicklung auch in Umsetzung von Klimaanpassungsstrategien verankert und in den städtebaulichen Bestand eingeflochten werden. Der dafür notwendige multifunktionale Raum ist strategisch zu ermitteln, indem bestehende Flächenpotenziale identifiziert, aktiviert und erweitert werden.[1]
Die Integration in den Bestand ist anspruchsvoll und häufig von Nutzungskonflikten geprägt. Synergien, die im Zuge von Bau-, Sanierungs- und Transformationsprozessen entstehen, müssen daher gezielt – nach dem „Huckepack-Prinzip“ – genutzt werden. Das gilt besonders im Kontext der Mobilitätswende und im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung. Grün-blaue Infrastruktur kann hier ein wichtiger Faktor für Flächengerechtigkeit für Wohnquartiere sowie gemischte Nutzungen sein und zu einer gerechteren Nutzung des öffentlichen Raums beitragen. Gleichzeitig erhöht sie die städtische Wohn- und Lebensqualität. Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Wird grün-blaue Infrastruktur von Anfang an in Planung und Umsetzung der baulichen Entwicklung einbezogen, lassen sich Abstimmungsprozesse vereinfachen, beschleunigen oder ganz vermeiden.
Ziel
Wir zeigen auf, wie städtebauliche Transformationsprozesse mit der Entwicklung und Sicherung grüner Infrastruktur verknüpft werden können. Dafür richten wir den Blick auf Raum- und Flächentypen, die bundesweit Potenzial für eine vernetzte, klimaresiliente und lebenswerte Stadtstruktur bieten. Die in den anderen Fokusthemen identifizierten räumlichen Potenziale und Herausforderungen werden einbezogen und gezielt ergänzt. Dazu gehören Grünräume öffentlicher Einrichtungen wie Schulen, Universitäten und Krankenhäuser genauso wie Sportflächen, Verkehrsflächen, Gewerbeareale, Friedhöfe, halböffentliche Grünräume und Brachen.
[1] Dafür können die bestehenden formellen und informellen Planungsinstrumente (Bauleitplanung, Landschaftsplanung, Freiraumentwicklungsplanung) sowie kommunale Satzungen genutzt werden.
Hintergrund
Die Mobilitäts- und die Wärmewende eröffnen große Chancen, um grün-blaue Infrastruktur systematisch in den Straßenraum zu integrieren. Straßen- und Verkehrsräume stellen eine erhebliche innerstädtische Flächenreserve im öffentlichen Eigentum dar. Werden Verkehrsflächen zugunsten umweltfreundlicher, flächeneffizienter Mobilitätsformen neu verteilt oder entstehen im Zuge des Ausbaus von Wärmenetzen Gelegenheitsfenster für Umbauten, können Entsiegelung, Begrünung und Regenwasserbewirtschaftung im Straßenraum gezielt und effizient umgesetzt werden. So entstehen klimaresiliente Straßenräume, die Wasser speichern, Hitzeinseln reduzieren und die Aufenthaltsqualität verbessern.
Das planerische Leitbild der dreifachen Innenentwicklung – also die multifunktionale und flächeneffiziente Siedlungs-, Verkehrs- und Freiraumplanung im Bestand – erfordert eine strategische Neuverteilung des Straßenraums. Die systematische Berücksichtigung von Begrünung ermöglicht es, grün-blaue Strukturen und Freiräume kohärent in den Straßenraum einzubinden. Das Konzept der Flächengerechtigkeit aus der Mobilitätsplanung bietet dabei Orientierung für eine gerechtere Verteilung. Flächengerechtigkeit bezeichnet das Prinzip, öffentlichen Raum – insbesondere Straßen- und Verkehrsflächen – fair, ausgewogen, bedarfsgerecht und am Gemeinwohl orientiert zwischen verschiedenen Nutzungen und Nutzergruppen zu verteilen. Bei der Neuaufteilung des Straßenraums entsteht die Chance, grün-blaue Infrastruktur systematisch mitzudenken. Zusätzliche Gelegenheitsfenster ergeben sich durch die kommunale Wärmeplanung sowie durch das Verlegen und Sanieren von Leitungen. Dabei kommt dem Boden eine Schlüsselrolle zu – als Langzeitspeicher für Regenwasser und als essenzieller Standort für das Stadtgrün. Der Straßenraum bietet eine Potenzialfläche für die Pflanzung von Straßenbäumen. Dadurch können in den von der EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur (W-VO) betroffenen Kommunen Synergien zur Erfüllung der Vorgaben des Art. 8 W-VO erzielt werden.
Gleichzeitig rückt der Untergrund stärker in den Fokus: Leitungstrassen, Unterbauungen und der notwendige Wurzel- und Wasserspeicherraum konkurrieren miteinander. Die Berücksichtigung der Zusammenhänge zwischen städtischer Oberfläche und ihrem Untergrund wird damit zu einer Schlüsselvoraussetzung der Schwammstadt – und der Stadtboden zu einem zentralen Faktor der Resilienz.
Was ist zu tun?
- Flächengerechtigkeit als Planungsprinzip und Argumentationsgrundlage etablieren und grün-blaue Infrastruktur systematisch einbeziehen: Nutzung des Konzepts für die Neuverteilung des Straßenraums zugunsten von Grünflächen, Regenwasserbewirtschaftung und klimaangepasster Mobilität.
- Quantifizierung und Qualifizierung der Neuaufteilung: Entwicklung von Orientierungs- und Zielwerten für Grünanteile im Straßenraum, um eine messbare Grundlage für Planungsentscheidungen zu schaffen, Hemmnisse und Synergien zur Erhöhung des Grünanteils im Straßenraum zu identifizieren und Lösungsvorschläge zu entwickeln.
- Den Untergrund frühzeitig in die Planung einbeziehen: Beschleunigung des klimaresilienten Straßenumbaus: Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Landesstraßengesetzen (Zustand, in den eine Straße nach Umbaumaßnahmen versetzt werden muss) und Erarbeitung von untergesetzlichen Regelungen als Standards für klimaresilienten Straßenumbau – in Kooperation mit der Allianz wasserbewusste Stadtentwicklung.
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- „Quartiere gemeinsam lebenswert machen“ (bundesweit): Studie zu integrierten Ansätzen des quartiersbezogenen öffentlichen Raum- und Mobilitätsmanagements; abgeschlossen;
Trägerschaft: Deutsche Umwelthilfe & ISP; Quelle.
Erfolgsfaktoren: enge Abstimmung zwischen den Ämtern, taktischer Urbanismus zur Erprobung von Maßnahmen. - BlueGreenStreets 2.0 (bundesweit): Forschungsprojekt zu blau-grüner Straßenraumgestaltung und klimatoleranten Straßenprofilen; abgeschlossen;
Fördermittelgeber: Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßnahme „RES:Z – Ressourceneffiziente Stadtquartiere für die Zukunft“; Quelle.
Erfolgsfaktoren: angepasste Regelwerke, stärkere Kooperation zwischen Ämtern, Planungsphase 0. - Stadt am blauen Band – Aktivierung von Bundesliegenschaften für grüne Infrastruktur (bundesweit): Studie zu Strategien, um Bundesliegenschaften für blau-grüne Infrastruktur zu nutzen; abgeschlossen; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Rahmen des Programms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt), Zuwendungsgeber: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: multifunktionale Nutzung von Bundeswasserstraßen durch Klärung der Zuständigkeiten. - Aktivierung von Bundesliegenschaften für die urbane grüne Infrastruktur (bundesweit): Forschungsprojekt zur Erschließung brach liegender Bundesliegenschaften für grüne Infrastrukturen; abgeschlossen; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), Zuwendungsgeber: Umweltbundesamt (UBA); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Vernetzung und Klärung der Zuständigkeiten. - Forschungsvorhaben „BiodivStadtbaum“ (bundesweit): Untersuchungen zum verbesserten Schutz bestehender Bäume und Abbau von Hemmnissen bei der Baumneupflanzung im urbanen Raum; laufend; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN), Zuwendungsgeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN); Quelle.
Erfolgsfaktoren: forschungsbasierte Grundlagen für den Schutz und die Mehrung von Stadtbäumen; Abbau rechtlicher und planerischer Hemmnisse bei der Baumneupflanzung; Beitrag zur Biodiversität im urbanen Raum.
Hintergrund
Private Grundstücke bieten ein großes, bisher wenig genutztes Flächenpotenzial für den grün-blauen Umbau. Wettbewerbe können Eigentümerinnen und Eigentümer aktivieren, Klimaanpassung spielerisch in die Fläche tragen und schnell sichtbar machen. Sie stärken Identifikation im Quartier und fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt. In Anlehnung an das niederländische „Tegelwippen“ haben erste Modellvorhaben in Deutschland bereits begonnen, das Konzept zu übertragen. Eine Unterstützung durch den Bund könnte die Reichweite steigern und dazu führen, dass bundesweit mehr Flächen entsiegelt und begrünt werden. Der Wettbewerb spricht Kommunen und Privatpersonen gleichermaßen an und regt sie zur Mitwirkung an.
Was ist zu tun?
- Prüfen, wie eine Unterstützung des Projekts „Abpflastern“ der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung durch den Bund möglich wird.
- Die Reichweite des Wettbewerbs kann durch die Schirmherrschaft eines Bundesministeriums (ggf. rotierend) erhöht werden. Zusätzlich kann der Wettbewerb durch gezielte Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit von Bundesseite u. a. durch Beiträge in den medialen Formaten von BMWSB/BBSR (und ggf. weiteren Ressorts) unterstützt werden.
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- „Abpflastern“ (bundesweit): von Studierenden organisierter Wettbewerb zur spielerischen Entsiegelung von Flächen in Kommunen; laufend;
Trägerschaft: Hochschule für Gesellschaftsgestaltung; Quelle.
Erfolgsfaktoren: transformatives Lernen als Ansatz, freundschaftlicher Wettstreit mit einem gemeinsamen Ziel. - „Tegelwippen“ (Niederlande): jährlicher nationaler, öffentlichkeitswirksamer Entsiegelungswettbewerb, bei dem Kommunen gegeneinander antreten; laufend;
Trägerschaft: Creatief Concept Bureau Frank Lee; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Werbekampagne, Unterstützung durch das niederländische Infrastrukturministerium. - „Asphaltknackerinnen“ (Schweiz): Schweizer Entsiegelungswettbewerb zur Entfernung übermäßiger Versiegelung im städtischen Raum; laufend;
Trägerschaft: Plan Biodivers; Quelle.
Erfolgsfaktoren: mediale Unterstützung, Partnerschaften mit Stadtverwaltungen.
Hintergrund
Mit über 32.000 allgemeinbildenden Schulen bilden Schulhöfe eine große Flächenreserve als Freiräume außerhalb der Schulzeiten. Viele sind stark versiegelt und eignen sich besonders gut für eine ökologische und klimaangepasste Umgestaltung. Eine naturnahe und nutzungsgerechte Gestaltung trägt, unterstützt durch Bildungsprogramme, zur Umweltbildung bei und fördert das Naturerleben von Kindern und Jugendlichen. Werden sie außerhalb der Schulzeiten geöffnet, kann das gesamte Quartier profitieren, wenn dies von organisatorischen Maßnahmen wie Reinigung, Beleuchtung etc. begleitet wird. Dafür müssen die Kommunen und die Schulen unterstützt werden.
Was ist zu tun?
- Kommunen beraten, gestützt auf Best-Practice-Beispiele und Ländererfahrungen. Förder- und Unterstützungsformate für Schulen und Kommunen zur Entsiegelung und zum ökologischen Umbau von Schulhöfen aufzeigen. Den interkommunalen Austausch dazu im Rahmen von Modellvorhaben fördern.
- Die rechtlichen Voraussetzungen einer zeitlich gestaffelten Mehrfachnutzung prüfen – sowohl auf Länder- als auch auf Bundesebene. Dazu gehören Haftung, Verkehrssicherungspflicht, Zuständigkeiten, Musterverträge und Fragen der Unfallversicherung der Schulen für weitere Nutzergruppen. Falls erforderlich, Anpassungen vorbereiten.
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- Sonderprogramm ökologische Aufwertung von Schulhöfen und Spielplätzen (Hannover):
kommunales Förderprogramm zur ökologischen und gestalterischen Aufwertung von Grün-, Spiel- und Sportflächen; laufend; Trägerschaft: Landeshauptstadt Hannover – Fachbereich Umwelt und Stadtgrün & Stadtbezirke; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Schaffung eines gesonderten Förderbudgets, politische Unterstützung. - „Coole Schulhöfe: Wir entsiegeln Flächen für ein besseres Klima“ (Nordrhein-Westfalen):
landesweiter Wettbewerb zur Entsiegelung und klimaangepassten Umgestaltung von Schulhöfen, Förderung von zehn Schulen; abgeschlossen; Trägerschaft: Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW & Deutsche Umwelthilfe; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Fördermittel des Landes und der EU, Bewerbung der Schulträger selbst zur Umgestaltung. - Grüne Schulhöfe (bundesweit): Leitfaden und Beratungsangebot der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zur ökologischen und klimaangepassten Umgestaltung von Schulhöfen; laufend;
Trägerschaft: DUH; Quelle.
Erfolgsfaktoren: praxisnahe Planungshilfen für Schulen und Kommunen; niedrigschwelliger Wissenstransfer; Bündelung von Beispielen und Fördermöglichkeiten.
Hintergrund
Das Wohnumfeld hat großen Anteil an der grünen Infrastruktur. Wohnungsunternehmen sind daher zentrale Partner für naturnahe Gestaltung, Entsiegelung, Biodiversität und Regenwassermanagement – im Neubau wie im Bestand. Wohnungsnahe Freiräume sollten multifunktional sein und attraktive Aufenthalts-, Bewegungs- und Naturerlebnisräume schaffen. Gleichzeitig sind effiziente Pflegekonzepte und eine gute Beteiligung der Bewohnenden wichtig. Übertragbare Gestaltungsmuster und einfache, multiplizierbare Handlungsansätze, die sowohl funktionalen, sozialen als auch ökologischen Ansprüchen gerecht werden, können helfen, dieses Potenzial bundesweit zu heben.
Was ist zu tun?
- Im Zusammenhang mit dem Diskurs zum „Bau-Turbo“ Lösungen einbringen, die eine schnelle und einfache Integration von Grün ermöglichen.
- Mit der Wohnungswirtschaft zusammenarbeiten, um Anforderungen, Hemmnisse und Chancen für die qualitative Aufwertung und nachhaltige Nutzung des wohnungsnahen Grüns systematisch zu erfassen.
- Die Kompetenzen der Planenden (Stadtplanung, Architektur, Landschaftsarchitektur und Bauingenieurwesen) als Vermittelnde zwischen Bauherren und Kommune in der Ausbildung stärken. Planende als aktive Partnerinnen und Partner der Umsetzung verstehen.
- Übertragbare Gestaltungsmuster entwickeln und in einem Leitfaden aufbereiten.
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- Wassersensible Stadtgestaltung für vitales Stadtgrün (bundesweit):
Forschungsprojekt zur Realisierung einer wassersensiblen Stadtgestaltung für vitales Stadtgrün als Grundvoraussetzung für Biodiversität und Klimaanpassung; laufend; Trägerschaft: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Fokus auf klimagerechte und strategische Pflanzenauswahl sowie deren idealtypische Wasserversorgung, Adressierung von Nutzungskonflikten. - KlimaWohlquartier Herzkamp (Hannover-Bothfeld): klimaangepasstes Neubauquartier mit Regenwassermanagement, Kaltluftschneisen und Animal Aided Design; laufend;
Trägerschaft: Firmengruppe Gundlach & Landeshauptstadt Hannover; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Umsetzung und Monitoring von Aspekten zu Klimaanpassung, Prozess und Synergien, Entwicklung eines Praxisleitfadens. - Stadtquartier Neckarbogen (Heilbronn): Umnutzung und Entwicklung einer Industriefläche zum nachhaltigen Stadtquartier; abgeschlossen;
Trägerschaft: Amt für Liegenschaften und Stadterneuerung, Stadt Heilbronn; Quelle.
Erfolgsfaktoren: entwickelt auf dem Bundesgartenschaugelände von 2019, großzügige Grün- und Wasserflächen. - Best Practice und Wissenstransfer Gebäudegrün Deutschland (bundesweit): Aufbau einer interaktiven Deutschlandkarte mit Praxisbeispielen zur Dach- und Fassadenbegrünung; laufend;
Trägerschaft: Bundesverband GebäudeGrün e. V. (BuGG); Fördermittelgeber: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), Zuwendungsgeber: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Vermittlung von Best-Practice-Beispielen; Aufbau von Informationszentren, Bereitstellung von Daten für Kosten-Nutzen-Betrachtung. - „Dachlounge“ (Hamburg-Ottensen): 300 qm großes Ensemble aus Dachgärten im mehrgeschossigen Wohnbestand; abgeschlossen; Trägerschaft: privat; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Nutzung gestaffelter Flachdächer zur Begrünung, Regenwassersammlung und -ableitung. - Treffpunkt Vielfalt (bundesweit): Erprobung naturnaher Gestaltung von Wohnumfeldgrünflächen gemeinsam mit Wohnungsbauunternehmen und Anwohnenden; Entwicklung des Flächentyps „Pikopark“; abgeschlossen; Fördermittelgeber: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN), Zuwendungsgeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN); Quelle.
Erfolgsfaktoren: partizipative Entwicklung naturnaher Grünflächen mit Wohnungsbauunternehmen; Übertragbarkeit durch den neuen Flächentyp „Pikopark“; Stärkung von Biodiversität und Naturerfahrung im Wohnumfeld. - Hausbaumprogramm Saarlouis (Saarlouis): kommunales Programm zur Förderung von Hausbäumen auf privaten Grundstücken als Beitrag zur Begrünung des Wohnumfelds; laufend; Trägerschaft: Stadt Saarlouis; Quelle.
Erfolgsfaktoren: kommunal angestoßenes Programm mit hoher Übertragbarkeit; Aktivierung privater Grundstückseigentümer für Begrünungsmaßnahmen; sichtbarer Beitrag zur Stadtbegrünung im Wohnumfeld.
Hintergrund
Grün-blaue Infrastruktur und der Ausbau von Fuß- und Radwegen als Teil der aktiven Mobilität sind beide unverzichtbar für einen klimaresilienten und lebenswerten Stadtraum, konkurrieren aber häufig um dieselben Straßenflächen und Korridore. In dieser Spannung liegt Potenzial: Werden beide Nutzungen zusammengedacht und gemeinsam geplant, können aus dieser Konkurrenzsituation echte Synergieeffekte entstehen.
Mit einem gut ausgebauten Rad- und Fußwegenetz im Zusammenspiel mit den grün-blauen Korridoren oder den für Hitzevorsorge zentralen Kaltluftentstehungsflächen und -korridoren können sowohl die aktive Mobilität als auch das Freiraumnetz und der Biotopverbund bis in die Landschaft außerhalb der Stadt hinein gestärkt werden. Attraktive, gute gestaltete Wege mit schattigem Klimakomfort laden zum Radfahren ein, fördern somit klimafreundliche Mobilität und stärken zugleich Fitness und Gesundheit. Der Weg wird zum Ziel. Wird aktive Mobilität attraktiver, können aufgrund der Flächeneffizienz neue Spielräume für eine ausgewogene Weiterentwicklung des öffentlichen Raums geschaffen werden. Auch Stellflächen können klimafreundlich gestaltet und in integrierte Konzepte eingebunden werden. Ein strategischer Ausbau des Rad- und Fußverkehrs unterstützt die Entwicklung blau-grüner Infrastrukturen und kann Flächenkonkurrenzen langfristig reduzieren.
Insgesamt kann die Mobilitätswende so zu einem Hebel für den Ausbau von grün-blauer Infrastruktur werden und umgekehrt. Dazu bedarf es kooperativer Planungsansätze, die Freiraum und Mobilität, Stadt und Umland integriert zusammendenken.
Was ist zu tun?
- Die Förderung des Rad- und Fußverkehrs soll langfristig verstetigt werden, um flächendeckende, leistungsfähige Netze im Einklang mit weiteren Nutzungsansprüchen an Grünflächen weiterzuentwickeln. Dabei sind die Belange der blau-grünen Infrastruktur systematisch mitzudenken, sodass eine integrierte, aufeinander abgestimmte Gesamtentwicklung ermöglicht wird.
- Integrierte und kooperative Planungsansätze zwischen Verkehrsplanung und Freiraumplanung zur Co-Entwicklung der grünen Netze mit den Fuß- und Radwegenetzen fördern; Planungsprozesse für Fuß- und Radverkehr sowie Stadtgrün systematisch im Sinne des Huckepackprinzips verzahnen – durch ressortübergreifende Kooperation zwischen Verkehrs-, Grünflächen- und Stadtplanung auf kommunaler Ebene.
- Übertragbare Gestaltungsprinzipien und Planungsleitfäden für Kommunen erarbeiten und vermitteln.
Referenzprojekte und Anknüpfungspunkte
- Interministerieller Dialog zur Stärkung „Aktiver Mobilität und Gesundheit“ (bundesweit): ressortübergreifende Initiative zur Förderung aktiver Mobilität als Instrument der Gesundheitsvorsorge, insbesondere für wenig aktive Bevölkerungsgruppen; laufend; Trägerschaft: interministerielle Arbeitsgruppe; Quelle.
Erfolgsfaktoren: gemeinsames ressortübergreifendes Verständnis zur Förderung aktiver Mobilität; Planung und Durchführung intersektoraler Maßnahmen; Sichtbarmachen von Co-Benefits für Gesundheit und Klimaschutz. - Forschungsprojekt „Aktive Mobilität und Freiräume im Zusammenspiel zwischen Umland und Stadt“ (bundesweit): empirische Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen der Förderung aktiver Mobilität und stadtregionaler Freiraumgestaltung anhand von Referenzbeispielen; abgeschlossen; Trägerschaft: Umweltbundesamt; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Beteiligung von Anwohnenden und Stakeholdern; Synergien mit Mobilitätsangeboten; gute Organisationsstrukturen und Lenkung in der Verwaltung; übergeordnete und integrierte Konzepte. - Landschaftsachse Horner Geest (Hamburg): lineare Grünverbindung für aktive Mobilität und Naherholung; abgeschlossen;
Trägerschaft: Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA); Quelle.
Erfolgsfaktoren: übergeordnete Entwicklungsplanung als Zugang zu Bundesförderung; integrierte Konzeption von Wegestrukturen und Stadtnatur; Beteiligung als fester Planungsbestandteil. - Grüner Ring Leipzig: interkommunale Kooperation zur Entwicklung einer Radroute; verknüpft Radfahren, Wassersport und Wandern mit Landschafts- und Gewässerentwicklung; laufend;
Trägerschaft: Stadt-Umland-Kooperation Grüner Ring Leipzig; Quelle.
Erfolgsfaktoren: interkommunale Vernetzung ohne Eingriff in Planungshoheit; klare Governance und kontinuierliche Trägerstruktur; Nutzungsmonitoring zur Besucherlenkung. - Premiumfußwege ins Aachener Grün: Fußwegrouten zwischen Innenstadt und Umlandgrün; Begrünung der angrenzenden Stadtstraßen; laufend; Trägerschaft: Stadt Aachen; Quelle.
Erfolgsfaktoren: Huckepackstrategie mit Versorgungsträgern; sektorübergreifende Planung von Fuß- und Radverkehr sowie Grün; koordinierende Stelle als Voraussetzung für Planungssicherheit und Förderzugang. - Kanalpromenade entlang des Dortmund-Ems-Kanals in Münster: 27 Kilometer Strecke am Dortmund-Ems-Kanal, von der Stadtgrenze bei Gelmer bis zur Stadtgrenze nach Senden, adaptive Beleuchtung, Reinigungs- und Winterdienst, Wiederverwendung des alten Baumaterials; abgeschlossen; Trägerschaft: Stadt Münster; Finanzierung: überwiegend durch den Bund (Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes); Quelle.
Erfolgsfaktoren: Gewinner Deutscher Fahrradpreis, Gemeinschaftsprojekt Stadt Münster sowie Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes.
Impressum
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (Hrsg.)
Begleitagentur und Forschungsassistenz zum Forschungsprojekt Agenda Stadt grün-blau im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR):
Team Agenda Stadt grün-blau
Urbanizers/bgmr landschaftsarchitekten/plan zwei
c/o Urbanizers eG, Nordufer 15, 13353 Berlin
stadtgruen@urbanizers.de