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Zehn Handlungsfelder des Bundes

Im Fokus ist das im Gras stehende Buch: Weißbuch Stadtgrün. Es lehnt an einen Baumstamm.
© Urbanizers

Das Weißbuch Stadtgrün fasst in zehn Handlungsfeldern konkrete Maßnahmen und Umsetzungsmöglichkeiten zur Förderung von Stadtgrün zusammen, die sich der Bund als Agenda in den kommenden Jahren vorgenommen hat. Als Baustein einer längerfristigen Initiative trägt es dazu bei, ehrgeizige Zielsetzungen und vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten für qualitätsvolles Grün in unseren Städten in die Praxis umzusetzen.

Um Stadtgrün mit seinen sozialen, kulturell-ästhetischen, gesundheitlichen, ökologischen und ökonomischen Funktionen zu erhalten oder neu zu schaffen, bedarf es integrierter und vernetzter Planungsprozesse. Dies erfordert auf allen föderalen Ebenen ein ressortübergreifendes und abgestimmtes Handeln. Dabei sind unterschiedliche Interessen und Zielsetzungen in der Stadtentwicklung abzuwägen und auszugleichen. Der Bund will für die Sicherung und Entwicklung adäquater Grünräume die Rahmenbedingungen verbessern und Hilfestellungen geben, die die Kommunen bei der Umsetzung unterstützen sollen.

Der Bund wird:

die Bedeutung des Stadtgrüns in Planungsrecht und Planungspraxis stärken

eine Handlungshilfe „Klimawandelgerechter Regionalplan“ zur Verfügung stellen

sich für eine flexiblere Handhabung der Stellplatzverordnungen und -satzungen verwenden, um damit auch Flächenpotenzial für Grün- und Freiflächen zu erhalten

Modellvorhaben zur Stärkung der Qualität des städtischen Grüns und der Stadt-Umland-Beziehungen durchführen

Städtische Grünräume müssen angesichts von Bevölkerungszuwachs, Auswirkungen des Klimawandels, Wohnungsbaubedarf und wirtschaftlichen Entwicklungen einem hohen Nutzungsdruck gerecht werden. Ziel des Bundes ist es daher, die Kommunen bei einer integrierten Stadtentwicklung und -planung zu unterstützen. Grünräume sollen den Erfordernissen der Stadtentwicklung gerecht, baukulturell hochwertig und widerstandsfähiger gegenüber den steigenden Nutzungsanforderungen werden.

Der Bund wird:

Stadtgrün und urbane grüne Infrastruktur in der Städtebauförderung und in Förderprogrammen stärken

gemeinsam mit den Kommunen Grünstandards für eine qualitätsvolle Grün- und Freiraumversorgung erarbeiten

die Entwicklung von Stadtgrün als Teil der Baukultur unterstützen

einen Leitfaden zur multicodierten Freiraumnutzung entwickeln

Potenziale von Friedhöfen für das Stadtgrün untersuchen lassen und Modellvorhaben unterstützen

Stadtgrün übernimmt vielfältige Funktionen für eine klimagerechte Stadtentwicklung. Dabei spielt der Boden als zentraler Bestandteil des Stadtgrüns für die Minderung von Klimafolgen und den Klimaschutz eine wichtige Rolle. Anpassungsstrategien an den Klimawandel, die die Potenziale von Stadtgrün in einem umfassenden Sinne nutzen, sind deswegen für eine vorsorgende, resiliente Stadtentwicklung von zentraler Bedeutung. In der vom Bund beschlossenen Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel sowie dem Fortschrittsbericht wird auf die besondere Bedeutung des Stadtgrüns bei klimaangepassten Stadtentwicklungsplanungen verwiesen.

Der Bund wird:

städtebauliche Musterentwürfe für die klimaangepasste Entwicklung von städtischen Grün- und Freiflächen entwickeln

mit der Nationalen Klimaschutzinitiative und dem Förderprogramm „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ die Bedeutung des Stadtgrüns für den Klimaschutz fördern

in ausgewählten Städten eine Qualitätsoffensive für klimaangepasstes Stadtgrün starten

einen gemeinsam mit den Ländern erarbeiteten Handlungsleitfaden für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen vorlegen

Konzepte für eine wassersensible Stadtentwicklung in verdichteten Städten erarbeiten

die Bedeutung von Stadtgrün für Hochwasservorsorge und Starkregenschutz herausstellen

zu den Themen Frisch- und Kaltluftversorgung Studien und Modellprojekte fördern

die Auswirkungen der emissionsarmen Mobilität auf die Entwicklung des Stadtgrüns untersuchen

Öffentliche Grün- und Freiflächen haben eine hohe Bedeutung für die tägliche Naherholung, für soziale Begegnungen sowie für die Quartiersidentität. Jedoch sind diese Flächen in den Städten und Gemeinden ungleichmäßig verteilt. Gerade in verdichteten Stadträumen ist der Bedarf an öffentlich zugänglichen und nutzbaren Grünräumen besonders hoch. Deshalb sollte im Sinne einer umweltgerechten Stadtentwicklung bei der weiteren baulichen Entwicklung dieser Quartiere auf eine ausreichende und qualitätsvolle Begrünung, eine barrierefreie Erschließung und gute, möglichst fußläufige Erreichbarkeit und Vernetzung der Grünräume geachtet werden. Damit wird die Forderung der Leipzig Charta zur Stärkung benachteiligter Stadtquartiere sichtbar umgesetzt.

Der Bund wird:

die Auswirkungen der emissionsarmen Mobilität auf die Entwicklung des Stadtgrüns untersuchen

die Entwicklung eines Instrumentenkastens zur Umweltgerechtigkeit für Kommunen fördern, der eine Empfehlung für ein sozialräumliches und gesundheitsbezogenes Umweltmonitoring auf kleinräumiger Ebene enthalten wird

sich dafür einsetzen, dass alle Bürgerinnen und Bürger im Umfeld ihrer Wohnungen Zugang zu möglichst barrierefreien, qualitätsvollen und sicheren Grün- und Freiflächen haben

urbane Gärten in ihrer gemeinnützigen, sozialen und ökologischen Funktion stärken

Kleingartenparks durch Modellvorhaben untersuchen

Bauwerke stellen ein erhebliches Potenzial für die Vernetzung von Stadtgrün dar. Dazu gehören nicht nur Gebäude, sondern auch Straßen, Kanäle, Regenrückhaltebecken, Brücken oder Tunnel sowie Stützmauern und Lärmschutzwände. Neben den primären Funktionen und Nutzungen wie Wohnen, Arbeiten, Bildung, Ver- und Entsorgung oder Transport können Bauwerke zusätzlich soziokulturelle, klimatische sowie die Ökosystemleistungen und Biodiversität unterstützende Funktionen übernehmen. Die Begrünung von Bauwerksfassaden, Dächern und Höfen sowie weiterer Oberflächen an Straßen oder Plätzen kann Folgen des Klimawandels wie Hitze und Starkregen, aber auch Beeinträchtigungen durch Feinstaubbelastungen mindern und zum Lärmschutz beitragen. Dabei muss die Gesamtwirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.

Der Bund wird:

einen Leitfaden über die Möglichkeiten der Bauwerksbegrünung erarbeiten

Qualitätsstandards entwickeln und bei der Weiterentwicklung des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude weitere Nachhaltigkeitskriterien prüfen

einen Leitfaden zur Qualifizierung des Verkehrswegebegleitgrüns entwickeln

eine Machbarkeitsstudie zu städtebaulichen Möglichkeiten des Rückbaus von Verkehrsinfrastrukturen in Auftrag geben

Der fachgerechte Umgang mit Pflanzen ist Grundvoraussetzung für qualitativ hochwertige Grünflächen und Begrünungen im urbanen Raum. Strukturreiche, vielgestaltige Grünflächen sind attraktive Aufenthaltsbereiche für die Bevölkerung und Lebensräume für stadttypische und zum Teil gefährdete Arten. Sie ermöglichen es zugleich, Natur auch in der Stadt zu erleben. Die hohen Qualitätsansprüche an Funktion und Leistung von Grünanlagen und ihren Pflanzen sind deshalb langfristig zu sichern. Der Bund sieht sich als Partner der Kommunen bei der Gestaltung qualitativ hochwertiger Frei- und Grünflächen, die der Erholung des Menschen wie auch der Entwicklung der lokalen biologischen Vielfalt und der Verbesserung des Stadtklimas dienen.

Der Bund wird:

einen Handlungsleitfaden zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Grünflächen und Förderung der biologischen Vielfalt erarbeiten und das Anliegen mit einer Kampagne unterstützen

ein Monitoring zur Erfassung von Standorteigenschaften für Pflanzen entwickeln

einen Leitfaden „Stadt-Klima-Pflanzen“ zur Verwendung von standortgerechten und dem Klimawandel angepassten Pflanzen zur Verfügung stellen

die Bewahrung und Weiterentwicklung des gartenkulturellen Erbes unterstützen

gute Beispiele kommunizieren und Informationsmaterial praxistauglich aufbereiten

Stadtgrün spielt für die Bevölkerung eine sehr wichtige Rolle. Es gibt viele gute Beispiele, bei denen private Akteure und die Zivilgesellschaft Verantwortung übernehmen und Grün- und Freiflächen gestalten und pflegen. Bereits jetzt werden im Rahmen der Städtebauförderung vor Ort bestehende Ressourcen oder Netzwerke unterstützt. So sind im Programm „Soziale Stadt“ vorrangig Gesamtmaßnahmen förderfähig, die im Fördergebiet für weitere ergänzende Maßnahmen Kooperationen mit Dritten vereinbaren. Auch leistet zum Beispiel das Freiwillige Ökologische Jahr mit circa 2.700 Teilnehmenden jährlich einen wertvollen Beitrag; fast 300 Freiwillige engagieren sich im Bereich Umwelt- und Naturschutz und wirken als Multiplikatoren in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis. Der Bund ist bestrebt, in diesem Rahmen durch weitere Maßnahmen die Vernetzung, Aktivierung und Information von Akteuren zu unterstützen und finanzielle Anreize zu schaffen.

Der Bund wird:

einen Leitfaden für die Zusammenarbeit von Kommunen, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft entwickeln

bei aktuellen und zukünftigen grünbezogenen Forschungsvorhaben die Verknüpfungsmöglichkeiten mit Citizen-Science-Ansätzen prüfen

Argumentations- und Arbeitshilfen erstellen, die öffentlichen und privaten Akteuren bei der Erhöhung des Grünflächenanteils helfen sollen

einen Leitfaden zu den Rahmenbedingungen für die Öffnung privater Grünflächen entwickeln

das Bewusstsein privater Akteure für die Bedeutung von Stadtgrün schärfen

Modellvorhaben zu den Ökosystemleistungen urbaner grüner Infrastruktur durchführen

Mit dem Thema „Grün in der Stadt“ beschäftigen sich unterschiedlichste Disziplinen. Sie reichen von der Stadt- und Raumforschung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsbau über Sozial-, Gesundheits- und Umweltwissenschaften bis zur Biologie, Vegetationstechnik, Chemie, Medizin, Sport- und Bewegungswissenschaft, Klimatologie, Bodenkunde und Geografie. Häufig sind Forschungsansätze auf einen engen fachlichen beziehungsweise sektoralen Ausschnitt begrenzt. Die Komplexität des Themenfeldes macht aber eine transdisziplinäre Forschung erforderlich, um systemische Zusammenhänge zwischen den Disziplinen zu erkennen und so Handlungsoptionen für Grün in der Stadt zu erweitern.

Der Bund wird:

die Innovationsplattform Zukunftsstadt um ein Forschungscluster „Grün in der Stadt“ erweitern

Forschungs- und Modellvorhaben zu den unterschiedlichsten Facetten von Stadtgrün durchführen

Zu den größten Immobilieneigentümern Deutschlands gehören die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und die Deutsche Bahn AG. Der Bund hat daher eine besondere Verantwortung, die eigenen Liegenschaften nachhaltig zu entwickeln. Viele davon, darunter Wohn- und Gewerbeimmobilien genauso wie Land- und Forstimmobilien, verfügen über einen hohen Grünraumanteil. Aktivitäten des Bundes können daher eine weithin wahrnehmbare Vorbildfunktion entfalten.

Der Bund wird:

Grünanlagen bei seinen Liegenschaften qualifizieren, auch mit dem Ziel, die biologische Vielfalt zu stärken

eine Pflegestrategie für Bundesliegenschaften erarbeiten, die auch auf kommunale Flächen anwendbar ist

im Rahmen seiner Zuständigkeiten Grün an Verkehrsinfrastrukturen und Wasserwegen optimieren, um die Folgen des Klimawandels zu mindern

die Bedeutung der „Grünen Architektur“ stärken

Der Wert des Stadtgrüns sowie die Visionen und Zukunftsfelder einer grünen Stadt können nur durch umfassende Kommunikation und Information sowie über Bildungsmaßnahmen vermittelt, erklärt und gestärkt werden. Mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit und in Veranstaltungen müssen sowohl das Fachpublikum als auch die interessierte Öffentlichkeit über aktuelle Entwicklungen informiert werden.

die Bedeutung von Grün in der Stadt mit Wettbewerben fördern

die Öffentlichkeitsarbeit stärken

den Austausch und Dialog zwischen den Akteuren mit einem Dialogforum unterstützen

bestehende und neue strategische Allianzen für Umwelt- und Bewusstseinsbildung stärken

im Dialog mit Verbänden, Kammern und Hochschulen prüfen, wie die Fachkompetenzen rund um das Thema „Grün in der Stadt“ erweitert werden können

Die vollständige Publikation Weißbuch Stadtgrün können Sie hier als PDF ansehen und herunterladen.