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Der 4. Bundeskongress „Grün in der Stadt“, veranstaltet vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), brachte am 6. und 7. Mai 2026 in der Malzfabrik Berlin Fachpersonen aus Kommunen, Forschung, Planung, Zivilgesellschaft und Bundespolitik zusammen. Über 200 Teilnehmende waren vor Ort, mehrere Hundert verfolgten den Kongress im Livestream. Alle Beiträge und Ergebnisse des Kongresses werden schlaglichtartig in dieser Dokumentation zusammengefasst.

Im Mittelpunkt stand die Vorstellung der Agenda Stadt grün-blau. Die Agenda zielt darauf, den Mehrwert grüner und wassersensibler Städte sichtbar zu machen, die ressort- und fachübergreifende Umsetzung zu stärken und gemeinsam Kompetenzen für klimaresiliente, gesunde und lebenswerte Städte aufzubauen. Zwei Tage lang wurde diskutiert, was zu tun ist – für die Planung, für die Politik und für die Praxis vor Ort.

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Bildquellen sofern nicht anders angegeben: ©BMWSB, Fotograf: Fred Ferschke

Internationaler Austausch am Vorabend

Dietmar Horn, Abteilungsleiter Stadtentwicklung und Raumordnung im BMWSB, eröffnete den Vorabend und machte dabei deutlich: Grün in der Stadt ist kein Nice-to-Have, sondern integraler Bestandteil der Stadtentwicklung.

Kiezpoet Jesko Habert setzte mit sehr persönlichen Versen zum Stadtgrün einen starken Akzent: Stadtgrün, das wurde in seinen Texten spürbar, ist kein abstraktes Planungsthema – es ist Teil gelebten Stadtlebens, das Menschen prägt und über Generationen wirkt.

Vier Initiativen aus drei Ländern zeigten danach, wie Entsiegelung von unten funktioniert. Tegelwippen aus den Niederlanden, die Asphaltknackerinnen aus der Schweiz und das deutsche Projekt Abpflastern nutzen einen spielerischen Ansatz, der Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen bringt – unterschiedliche Städte treten gegeneinander an, gemeinsam wird entsiegelt. Cléo Mieulet stellte mit dem Graefekiez-Forum Berlin einen weiteren Weg vor: Nachbarschaftlich organisierte Entsiegelung direkt im Kiez, entstanden aus der Initiative der Anwohnerinnen und Anwohner selbst.

Tegelwippen Abflastern Asphaltknackerinnen

Politisches Signal: Begrüßung durch Bundesbauministerin Verena Hubertz

Bundesbauministerin Verena Hubertz begrüßte die Teilnehmenden zum Haupttag und machte deutlich: Grün-blaue Infrastruktur hat als eigenständiges Thema der Stadtentwicklungspolitik eine hohe Priorität. Parks, Spielplätze, Wasser – Räume der Erholung und des Miteinanders – gehören in den Kern der Planung. Beschleunigte Planungsverfahren und mehr Grünqualität schließen sich dabei nicht aus. Der Bauturbo vereinfacht Prozesse, macht grün-blaue Qualitäten aber nicht obsolet, sondern kann ihre Umsetzung beschleunigen.

Im Anschluss wurde die Agenda Stadt grün-blau erstmals öffentlich vorgestellt – durch Pia Müller (bgmr), Dr. Ulrich Berding (plan zwei) und Franziska Lind (Urbanizers). Sie erläuterten die vier Handlungsfelder, die Entstehungsgeschichte der Agenda im Netzwerk Weißbuch Stadtgrün und die Logik hinter dem Dokument: keine abgeschlossene Strategie, sondern ein lebendiges Handlungsprogramm für die Praxis.

„Für mich ist die Agenda ein Routenplaner für alle, die Zukunft gestalten und an guten Entscheidungen vor Ort mitwirken wollen." – Bundesbauministerin Verena Hubertz

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- © Czybik&Schmid Media / Laurin Schmid

Wirkung entfalten: Forschung und Politik im Gespräch

In einer moderierten Runde diskutierte Bundesbauministerin Verena Hubertz mit Prof. Antje Stokman (HCU Hamburg) und Prof. Dr. Stephan Pauleit (TU München) über die wissenschaftliche Fundierung der Agenda und die Frage, wie Forschung und Praxis gemeinsam vorankommen können. Prof. Stokman und Prof. Pauleit betonten: Grün-blaue Infrastruktur wirkt quer durch die großen Transformationsthemen – Wohnen, Energie, Mobilität. Und sie braucht neue Allianzen, auch zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Erste Diskussions Runde mit Bauminisiterin Hubertz verkleinert
- © Czybik&Schmid Media / Laurin Schmid

Keynote von Maria Vassilakou: Erfolgsstory Wien

Wien wird regelmäßig zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. Maria Vassilakou – Vizebürgermeisterin von 2010 bis 2019 – zeigte, dass grün-blaue Infrastruktur einer der Schlüsselfaktoren für diesen Erfolg ist.

Vassilakou schilderte neun Prinzipien, die sich durch die Wiener Stadtentwicklung ziehen: Grünräume von Anfang an mitplanen – nicht die übrig gebliebenen Flächen nachträglich begrünen. Neue Stadtteile als Chance zur Entsiegelung begreifen. Straßenraum umverteilen: Die Umgestaltung der Mariahilfer Straße zur Begegnungszone war politisch umkämpft – und ist heute Vorbild. Nachbarschaften aktivieren: Über das Programm Grätzloasen setzen Bewohnerinnen und Bewohner mit kleinem Budget eigene Ideen im öffentlichen Raum um. Und: Grünräume vernetzen, sodass man sich von jedem Punkt der Stadt aus im Grünen bewegen kann.

Das alles funktioniert nicht durch einzelne große Projekte, sondern durch viele kleine Eingriffe – und durch eine gute Governance, die lokale Initiativen unterstützt. Leitend dabei ist ein einfaches Planungsprinzip: für Kinder planen.

„Eine gute Stadt für Kinder ist eine gute Stadt für uns alle." – Maria Vassilakou

Wien

Agenda als Scharnier: Zwischen Wiederherstellungsverordnung und Bauturbo

Der Bauturbo und die EU-Wiederherstellungsverordnung prägen den aktuellen politisch-rechtlichen Rahmen für die Stadtentwicklung. Wie positioniert sich die Agenda in diesem Kontext? Den Ausgangspunkt setzte Dr. Jörg Wagner (BMWSB) mit seiner Einführung: Er legte dar, wie die drei Instrumente rechtlich zusammenwirken können – über kommunale Grundsatzbeschlüsse, städtebauliche Verträge mit Investoren und das Zustimmungserfordernis nach §36a des Baugesetzbuches. Daran anschließend diskutierten Heike Appel (Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz, GALK), Inga Melchior (Deutscher Städtetag) und Dr. Jörg Wagner gemeinsam die Konsequenzen für die kommunale Praxis.

Das Ergebnis war differenziert: Ja, es gibt Unsicherheiten – besonders bei kleineren Kommunen. Aber der vermeintliche Widerspruch zwischen Beschleunigung und Qualitätssicherung ist kleiner als er scheint. Die Agenda liefert dabei die inhaltliche Grundlage: Kommunen können ihre Grundsatzbeschlüsse auf die dort beschriebenen Maßnahmen stützen – und so gegenüber Investoren argumentieren.

„Zwischen dem Auftrag der EU-Wiederherstellungsverordnung und den Handlungsspielräumen der Kommunen bei der Anwendung des "Bau-Turbos" liefert die Agenda gelungene Beispiele und eine überzeugende fachliche Argumentationsgrundlage für ein auch qualitativ hochwertiges Stadtgrün." – Dr. Jörg Wagner, BMWSB

WVO und Bauturbo 2

Ressortübergreifend in die Umsetzung

An der Agenda haben neun Bundesressorts mitgewirkt. Auf dem Kongress diskutierten Oliver Ewald (Bundesministerium für Gesundheit), Diana Nenz (Bundesministerium für Umwelt), Esther Winterhoff (Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat), Janet Weidemann (Bundesministerium für Digitales und Verkehr) und Dr. Lara Steup (BMWSB), wie die Agenda in ihren jeweiligen Bereichen wirkt.

Dabei wurde sichtbar, wie breit das Thema angelegt ist: Wassersensible Stadtentwicklung ist Bestandteil der Nationalen Wasserstrategie – und damit nicht allein Aufgabe der Stadtplanung. Hitzeschutz und Gesundheitsvorsorge für vulnerable Gruppen zeigen: Stadtentwicklung und Gesundheitsplanung müssen zusammen gedacht werden. Der Ausbau von Rad- und Fußwegen schafft Synergien: Grüne Routen sind nicht nur ästhetischer Gewinn, sondern Teil der Mobilitätswende. Und Grünräume entfalten ihre soziale Wirkung erst dann, wenn Menschen sie tatsächlich nutzen und aneignen – das erfordert mehr als die Bereitstellung von Fläche.

"Besonders positiv am Prozess war, dass die Agenda Stadt grün-blau durch die unterschiedlichen fachlichen Perspektiven der Ressorts weiter qualifiziert werden konnte." – Dr. Lara Steup, BMWSB


Ressortrunde 2

Diskursforen

Drei Themen der Agenda standen im Mittelpunkt der Diskursforen: wassersensible Stadtentwicklung, Mobilität und Einsamkeitsprävention. In jedem Forum beleuchteten Expertinnen und Experten aus Forschung, Praxis und Verwaltung ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln – und diskutierten, was es für die kommunale Umsetzung braucht.

Forum A
Forum B
Forum C

Das Forum stellte eine einfache, aber grundlegende Frage: Wie Wasser vor Ort halten? Das klingt banal – ist aber ein Kern der wassersensiblen Stadtgestaltung. Dr. Fabian Dosch (BBSR), Prof. Wolfgang Dickhaut und Lena Flamm (beide am BBSR-Forschungsprojekt „Wassersensible Stadtgestaltung für vitales Stadtgrün" beteiligt, HCU Hamburg und bgmr) sowie Prof. Dr. Stephan Pauleit (TU München) diskutierten drei Schlüsselstrategien: klimaangepasste Pflanzenwahl – auch mit südeuropäischen Arten –, optimiertes Wassermanagement und die Nutzung von Regenwasser als Ressource.

Deutlich wurde: Planung muss dreidimensional werden. Nicht nur die Oberfläche zählt – der Untergrund entscheidet darüber, ob Wasser gespeichert und zur Pflanze geführt werden kann. Kooperationsmodelle wie der Bewirtschaftungsvertrag zwischen Vonovia und der Stadt Dresden zeigen, dass Wohnungswirtschaft und Kommunen gemeinsam handeln können. Gleichzeitig wurden offene Rechtsfragen benannt: Die BauGB-Novelle wird darüber mitentscheiden, wie grüne und blaue Infrastruktur in der Stadtplanung künftig zusammenwirken können.

„Regenwasser zusammenzudenken mit vitalem Grün – das ist die klare Botschaft." – Prof. Wolfgang Dickhaut, HCU Hamburg

Wer das Fahrrad nimmt, spart keine Zeit – er nutzt sie anders: Aktive Mobilität verbindet Alltagswege mit der empfohlenen täglichen Bewegungszeit und beansprucht dabei nur einen Bruchteil der Fläche, die der Autoverkehr benötigt. Diese Mobilitätswende birgt damit auch ein Flächenpotenzial für Stadtgrün. Janet Weidemann (Bundesministerium für Verkehr), Franziska Sack und Dr. Ulrike Strohkark (DB InfraGO AG) sowie Dr. Michael Frehn (Planersocietät) diskutierten, wie beide Themen zusammenwirken können.

Grüne Routen sind die beliebtesten Radwege – nicht nur wegen der Ästhetik, sondern weil sie das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhen und damit die tatsächliche Nutzung bestimmen. Praxisbeispiele wie die Umgestaltung der Luise-Schröder-Straße in Hamburg oder die Kanalpromenade in Münster zeigen: Aktive Mobilität und Stadtgrün begünstigen sich gegenseitig. Auch Bahnhofsvorplätze lassen sich in kooperativen Planungsprozessen grüner gestalten – die DB InfraGO hat dafür eine eigene Kompetenzstelle eingerichtet. Kontrovers diskutiert wurden Flächenkonkurrenzen in engen Straßenräumen, wo Baumstandorte und Radwege um denselben Platz konkurrieren. Das Forum war sich einig: Es braucht einen Perspektivwechsel, der Fahren und Gehen im Grünen als selbstverständliche Form urbaner Fortbewegung begreift.

Beide Systeme bieten Chancen füreinander: Mehr Rad- und Fußverkehr schafft mehr Platz für Stadtgrün, und mehr Stadtgrün macht aktive Mobilität attraktiver. – Janet Weidemann, Bundesministerium für Verkehr

Einsamkeit ist subjektiv – und sie betrifft alle Altersgruppen ähnlich stark, nicht nur ältere Menschen. Wer das versteht, plant Grünräume anders. Das Forum verband Forschung, europäische Praxis und konkrete Umsetzungsansätze am Beispiel Berlins: Nils Scheffler (Urban Expert, Projekt im Auftrag der Wüstenrotstiftung), Cristina Casajuana Kögel (EU-Projekt RECETAS, Barcelona) sowie Julian Bollmann (Gesundheit Berlin-Brandenburg) und Nikolai Becker (Stiftung Naturschutz Berlin) zeigten, wie die gebaute Umwelt Einsamkeit verstärken – oder abmildern kann.

Chronische Einsamkeit hat nachgewiesene Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit, beispielsweise bei Herzerkrankungen und Diabetes. Sie verstärkt das Risiko von neurologischen Erkrankungen (z. B. Demenz) und psychischen Störungen. Grünräume können vor allem dann gegensteuern, wenn sie kommunikationsfördernd gestaltet und niedrigschwellig zugänglich sind. Entscheidend ist dabei nicht nur, wo Grün ist, sondern auch, wie Menschen dazu gebracht werden, es tatsächlich zu nutzen. Dies geschieht über das Vertrauen in eine sichere Nutzbarkeit, bestehende Quartiersstrukturen und konkrete Angebote vor Ort. Das Berliner Programm „Gesund in Berlin – Stadtteile im Blick" setzt das in die Praxis um – ressortübergreifend, finanziert über Krankenkassen und Senatsverwaltungen. Das EU-Projekt RECETAS erprobt dafür „Green Prescribing“ als gezielte Intervention: Strukturierte Naturerfahrungen in Gruppen werden eingesetzt, um soziale Bindungen aufzubauen und Einsamkeit zu mildern.

Einsamkeit ist kein Randthema – sie betrifft alle Altersgruppen und ihr kann durch gute Gestaltung von Grünräumen aktiv entgegen gewirkt werden." – Nils Scheffler, Urban Expert

Stimmen aus dem Netzwerk

Acht Verbände, Vereine und Stiftungen des Netzwerks Weißbuch Stadtgrün präsentierten auf dem Kongress ihre Perspektiven auf die Agenda – und machten damit die Bandbreite sichtbar, die hinter dem Dokument steht. Die Themen waren verschieden, die Haltung war einheitlich: Grün-blaue Infrastruktur verbindet.

Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau
„Regenwasser ist kein Abwasser. Und: Wenn 100 Quadratmeter Bodenfläche überbaut werden, entstehen 100 Quadratmeter zu begrünende Dachfläche. Nachverdichtung und Grünqualität schließen sich nicht aus – wenn man es von Anfang an richtig denkt."
– Thomas Banzhaf

Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit
Stadtnatur ist essenziell für mentale und physische Gesundheit – besonders in mehrfach belasteten Gebieten. Sie verbessert nicht nur Wohlbefinden und Lebensqualität, sondern schützt durch die Stärkung von Klimaresilienz, Luftqualität und biologischer Vielfalt unsere Lebensgrundlagen und trägt so zur planetaren Gesundheit bei. Grün-blaue Infrastruktur muss daher als gesundheitsrelevante Daseinsvorsorge berücksichtigt werden. Dafür braucht es fachübergreifende Planung und die frühzeitige Einbindung von Gesundheitsexpert*innen." – Nicole Stauf

Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft
Grün und Blau zusammenzudenken, ist in Zeiten des Klimawandels unerlässlich. Wir setzen uns seit Jahren für die Schwammstadt ein und hoffen, dass die Agenda den Wandel bringt: Regenwasser wird als Ressource genutzt, die ortsnahe Wasserversorgung und Abwasserinfrastruktur werden entlastet. Multifunktionale Flächen werden zur Selbstverständlichkeit." – Leonie Spahr

Bund Deutscher Staudengärtner im Zentralverband Gartenbau
„Stadtgrün ist Teil der kritischen Infrastruktur. Pflanzen sind dessen Basis. Ihre Wirkung ist nicht durch technische Lösungen ersetzbar. Das Erfahrungswissen der Gärtnerinnen und Gärtner ist unerlässlich – der Produktionsgartenbau will als Umsetzungspartner in Planungsprozesse eingebunden werden." – Bettina Banse

Bund Deutscher Landschaftsarchitekten
„Wenn wir die Stadt von morgen klimaresilient, gesund und lebenswert gestalten wollen, braucht es integrierte Lösungen – und genau dafür steht die Landschaftsarchitektur. Die Agenda Stadtgrün-Blau gibt uns dafür eine starke gemeinsame Basis." – Thomas Dietrich

Deutscher Olympischer Sportbund
Sport gehört ins Stadtgrün – als selbstverständlicher Teil moderner Daseinsvorsorge. Erholung ist auch aktiv: die Joggingrunde, die Radtour, das moderate Kardiotraining im Grünen. Eine sportgerechte Stadt ist für uns immer auch eine gesunde, klimaresiliente und umweltgerechte Stadt." – Karsten Dufft

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Schaufenster

Die Schaufenster präsentierten konkrete Projekte, Instrumente und Kooperationsmodelle aus der Praxis – als Anschauungsbeispiele dafür, wie grün-blaue Stadtentwicklung bereits heute gelingt. Drei Themenfelder standen im Fokus: Daten und Indikatoren, regionale Vernetzung und grüne Quartiersentwicklung.

Schaufenster A
Schaufenster B
Schaufenster C

Wie messen wir, was Stadtgrün leistet? Und wie können Kommunen diese Daten nutzen, ohne eigene Kapazitäten dafür aufbauen zu müssen? Drei Instrumente gaben Antwort – und ergänzten sich dabei. Das Projekt Urban Green Eye (Stadt Leipzig/LUP+Partner) nutzt seit 2018 kostenfreie Satellitenbilddaten der ESA, um ein kontinuierliches kommunales Monitoring von Versiegelung, Baumüberschirmung und Hitzebetroffenheit zu ermöglichen. Temperaturdaten aus Leipzig belegen, wie stark sich begrünte Straßenräume kühlend auf Hitzespitzen auswirken. Das Stadtklima-Dashboard (BBSR/IÖR+Partner) macht zwei Kernindikatoren für Kommunen ab 10.000 Einwohnern bundesweit vergleichbar: die Erreichbarkeit kühlender Grünflächen und den Anteil versickerungsfähiger Oberflächen. Das Tool DaKIS (Weeber+Partner/BBSR) verschneidet am Beispiel Berlins auf Baublockebene Umweltlasten mit Sozialdaten – und macht damit politisch argumentierbar, wo Investitionen am dringlichsten gebraucht werden.

Klimaanpassung gelingt nicht allein in der Innenstadt – sie braucht den systemischen Blick auf Region, Landschaft und Stadtränder. Schaufenster B zeigte anhand konkreter Projekte, wie regionale Kooperation für Schwammlandschaften, Freiraumverbünde und grüne Netze gelingt.

Der Grünzug E im Ruhrgebiet blickt auf eine regionale Freiraumentwicklung mit Tradition zurück: Bereits 1966 wurden im ersten deutschen Regionalplan sieben Grünzugachsen formell gesichert. Heute bringt das Projekt sechs Kommunen über ko-kreative Ideenwerkstätten zu einer gemeinsamen Grünvision zusammen – präsentiert vom Regionalverband Ruhr. Kjell Schmidt (Regionalpark Rhein-Main GmbH) stellte das KORG-Netzwerk vor: Regionalparks wirken dann, wenn sie Naherholung und Klimaanpassung miteinander verbinden. Prof. Andrea Hartz (AGL) betonte anhand der Toolbox-Regionalparks.de: Freiräume müssen zunächst in ihrer bestehenden Funktionalität gesichert werden, bevor neue Qualitäten entwickelt werden können. Die Vorstellung des UBA-Forschungsprojektes „Aktive Mobilität und Freiraum zusammengedacht“ zeigte, wie regionale Radwegeplanung gleichzeitig die Grünvernetzung und die Landschaftsqualitäten an den urbanen Rändern stärken kann. Das interkommunale Freiraumprojekt Metro-Klima-Park zwischen Köln, Troisdorf und Niederkassel zeigte: Schwammlandschaft als regionale Kooperationsform ist skalierbar.


Das Quartier ist eine entscheidende Handlungsebene: Hier treffen Gesundheitsvorsorge, soziale Teilhabe und Klimaanpassung aufeinander – und hier sind Flächenkonkurrenzen deutlich spürbar. Schaufenster C zeigte, mit welchen Maßnahmen, Instrumenten und Förderprogrammen die grüne Quartiersentwicklung vorangebracht werden kann. Die Orientierungswerte für öffentliches Grün aus den 1970er Jahren wurden 2015-2017 durch ein BBSR-Forschungsprojekt weiterentwickelt und werden im BfN-Projekt „Stadtnatur – Orientierungswerte für öffentliches Grün“ (hier vertreten durch HS Weihenstephan und difu) konkretisiert: Neben des bisherigen Indikators „Grünfläche pro Einwohner“ werden nun multifunktionale Kriterien erfasst: Erholung, Gesundheit, Klima, Biodiversität, diese wurden in fünf Praxiskommunen erprobt. Ein Ergebnis: Defiziträume lassen sich damit präzise identifizieren und für die Politik erklären.

Das Förderprogramm zur Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel (BBSR) fördert mit über 656 Millionen Euro multifunktionale Lösungen in Kommunen. Das Forschungsprojekt Urban Heat Labs erprobt Hitzeschutz auf Quartiersebene in verdichteten Stadtgebieten – von Plattenbausiedlungen in Potsdam bis zu einem digitalen Zwilling in Halle. In allen Projekten war die amtsübergreifende Zusammenarbeit Grundbedingung für den Erfolg.

Ausblick

Der Kongress war ein Aufbruch: Die Agenda Stadt grün-blau hat vier Handlungsfelder definiert, ein breites Netzwerk hinter sich versammelt und ihren Weg in die Bundespolitik, Kommunen und Verbände gefunden. Jetzt geht es darum, sie in die Fläche zu bringen.

Der nächste Schritt: Fokusthema 5 – „Grün-blau kompetent" – wird sich vor allem den Instrumenten, integrierten und partizipativen Planungsprozessen, Daten und der Finanzierung widmen.

Begrüßung der Bundesbauministerin

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Vorstellung der Agenda Stadt grün-blau

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Diskussionsrunde – Wirkung entfalten

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Keynote von Maria Vassilakou

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Bauturbo und Wiederherstellungsverordnung (Vortrag und Diskussion)

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Ressortrunde – Resssortübergreifend in die Umsetzung

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Stimmen aus dem Netzwerk

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